Zeitung für Schland

Tote Zivilisten in Afghanistan und Obama-Wahn im Endstadium

Posted in DIE ZEIT, Zwei mal Drei macht Vier by Mr. Moe on Januar 13, 2010

Im Jahr 2009 sind in Afghanistan mehr Zivilisten getötet worden, als in jedem anderen der vorherigen acht Kriegsjahre. Bekanntlich hat US-Präsident Barack Obama sein Amt im Januar des Jahres 2009 übernommen und den Krieg in Afghanistan in Abgrenzung zum Irak-Krieg stets als „notwendigen“ Krieg bezeichnet. Ferner hat Obama im Verlauf des Jahres mit sich gerungen, ob er die von Stanley McChrystal, dem obersten Befehlshaber der NATO in Afghanistan, vorgeschlagene Strategie verfolgt oder auf seinen Vize-Präsidenten Joe Biden und weitere demokratische Kongressmitglieder hört. Während McChrystal argumentiert, dass im Kampf gegen Aufständische und den Terrorismus dauerhaft nur mehr Bodentruppen helfen, hat sich Biden gegen die Entsendung weiterer Soldaten nach Afghanistan ausgesprochen und stattdessen für Angriffe durch Drohnen plädiert, die besonders häufig zu zivilen Opfern führen.

Auch wenn die Verantwortung für die toten Zivilisten in Afghanistan mehrheitlich Terroristen zuzuschreiben ist, ist es demnach vermutlich alles andere als ein Zufall, dass Obamas erstes Amtsjahr mit dem Jahr zusammenfällt, in dem im Afghanistan-Krieg die meisten Zivilisten getötet wurden. Dies hält Martin Klingst jedoch nicht davon ab, Obama auf der Titelseite der ZEIT moralisch über seinen Vorgänger Bush zu erheben:

Obama ist mitnichten ein naiver Friedensapostel, den ein in letzter Sekunde vereiteltes Attentat brutal in die Wirklichkeit wirft. Seit er im Amt ist, führt er den Kampf gegen islamistische Terroristen mit aller Konsequenz, wenn auch mit weniger Kriegsgeschrei als sein Vorgänger und mit einem feineren Gespür für die Grenzen des Rechtsstaats. […]

Obama, der Meister des Wortes, redet nicht nur, er handelt auch. Um dem Terror Einhalt zu gebieten, entsendet er weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan und schreckt nicht vor gezielten Tötungen mutmaßlicher Attentäter zurück. Weit häufiger als sein Vorgänger lässt er Raketen auf sie abschießen und nimmt dabei auch den Tod Unschuldiger in Kauf, nicht nur in Afghanistan und Pakistan, sondern auch im Jemen und bald vielleicht in Somalia und anderswo.

Zum auf der Zunge zergehen lassen: Martin Klingst räumt ein, was in Anbetracht der nackten Zahlen kaum zu leugnen ist – die bisherige Afghanistan-Strategie des Friedensnobelpreisträgers Obamas hat zu einer höheren Anzahl getöteter Zivilisten geführt als diejenige George W. Bushs. Gleichwohl hindert dies Klingst nicht, auf der Titelseite der ZEIT zu behaupten, dass der Unterschied zwischen Obama und Bush sei, dass Obama „die Moral“ nicht „über Bord“ werfe. In Deutschland nennt man das Ganze im Übrigen „Qualitätsjournalismus“ und nicht etwa Ideologie.

Eine Antwort

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  1. […] Martin Klingst, DIE ZEIT – Zum auf der Zunge zergehen lassen: Martin Klingst räumt ein, was in Anbetracht der nackten Zahlen kaum zu leugnen ist – die bisherige Afghanistan-Strategie des Friedensnobelpreisträgers Obamas hat zu einer höheren Anzahl getöteter Zivilisten geführt als diejenige George W. Bushs. Gleichwohl hindert dies Klingst nicht, auf der Titelseite der ZEIT zu behaupten, dass der Unterschied zwischen Obama und Bush sei, dass Obama „die Moral“ nicht „über Bord“ werfe. In Deutschland nennt man das Ganze im Übrigen „Qualitätsjournalismus“ und nicht etwa Ideologie. […]


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