Zeitung für Schland

Worte der Woche (44)

Posted in Worte der Woche by Mr. Moe on Februar 14, 2010

In einem Haus im Osten Jerusalems leben 45 jüdische Siedler unter Hunderttausenden Arabern – eine Provokation, die nun beendet werden soll.

Dieser Teaser gehört zu einem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Artikel von Peter Münch über ein von Juden bewohntes Haus in Silwan, im „arabischen Ostteil von Jerusalem“. Münch findet es offenbar nicht nur unerträglich, dass Juden an einem Ort leben, an dem sie Münch zufolge nichts zu suchen haben, sondern dass die „45 Juden“ darüber hinaus auch noch „Flagge zeigen“, „prangt“ doch frecherweise eine „Flagge mit dem Davidsstern“ an der Fassade jenes Hauses, in dem die sieben jüdischen Familien leben (Beweisfoto für die deutsche Leserschaft inklusive). Doch auch ohne den störenden Anblick israelischer Flaggen stünde die jüdische Präsenz dem wahren Leben in Silwan im Weg:

Das Leben ist hier einfach, arm und traditionell, die Araber sind unter sich. Fast unter sich.

Voraussichtlich wird sich das „einfache, arme und traditionelle“ Leben in Silwan bald wieder ohne die störende Präsenz von Juden vollziehen können, hat doch ein israelisches Gericht die Räumung des jüdischen Hauses angeordnet, da es „ohne Baugenehmigung errichtet word[e], so wie [im Übrigen auch, Mr. Moe] viele arabische Häuser in Silwan“. Auch wenn die Räumung zum Unmut deutschr Journalisten bislang noch nicht vollzogen wurde, darf man in München und andernorts demnach darauf hoffen, dass das urwüchsige Leben in Silwan künftig wieder ebenso gewährleistet ist wie im Anschluss an den arabischen Aufstand von 1936-1939, der die seit 1882 in Silwan lebenden jemenitischen Juden zwang, den Ort zu verlassen.

7 Antworten

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  1. zionist juice said, on Februar 15, 2010 at 1:48 pm

    was dir an muenchs artikel nicht gefaellt, ist seine meinung und wortwahl usw. das ist das eine.
    viel entscheidender waere es seine luegen zu entlarven, wenn er da sagt:
    „Denn hinter den Kulissen hat ein neuer Kampf begonnen für die Rettung des Beit Yohanatan: In Jerusalem gibt es genügend Politiker, die die Siedlerklientel vor solchem Räumungs-Unbill mit allen Mitteln zu schützen versuchen. Dazu zählt zum Beispiel auch der Bürgermeister Nir Barkat. „Nur unter Protest“ hatte er sich bereit erklärt, die vom Gericht geforderte Räumung zu vollstrecken. Doch zugleich kündigte er an, in diesem Fall gleich noch 200 Häuser von Palästinensern abreißen zu lassen, die ebenfalls illegal gebaut worden seien. “

    denn barkat geht es gerade darum eine loesung zu finden, die alle haeuser stehen laesst. er sagt nicht – wie es muench darstellt, dass er wenn er beyt yonatan abreisst auch als vergeltung haeuser von arabern abreisen wird.
    hingegen, dass er wenn er anfaengt abrissgenehmigungen durchzusetzen auch alle durchsetzen wird.
    das ist was an muenchs artikel ekelhaft ist, dass er dieses dilemma nicht rueberbringt.
    dass beyt yonatan probelmatisch ist und nur das problen verschaerft wie israel silwan loswerden kann finde ich unaufregend….

  2. Martin said, on Februar 17, 2010 at 4:21 pm

    Die Kommentare in der Süddeutschen sind sogar noch widerwärtiger. Ich kann bald wirklich nicht mehr, ich glaub dem nächsten „Israelkritiker“ und/oder Paliphilen hau ich einfach ansatzlos aufs dumme Maul.
    Diskutieren ist eh zwecklos.

  3. Mr. Moe said, on Februar 19, 2010 at 7:49 am

    @zionist juice:

    viel entscheidender waere es seine luegen zu entlarven

    Ich bedanke mich für die sinnvolle Ergänzung, bitte aber auch zu berücksichtigen, dass manch einer es eben auch für Anlass zur Kritik erachtet, wenn die bloße Präsenz von Juden als „Provokation“ gilt, was im Übrigen nichts mit „Meinung“ oder „Wortwahl“ zu tun hat.

  4. anti said, on Februar 20, 2010 at 2:18 am

    Mensch, Moe, sei mal nicht so antipluralistisch.
    Wenn jemand halt „meint“, dass Juden ein Problem sind, dann darf man ihm in diese Meinung im Zuge demokratischen Palaverns halt auch nicht reinpfuschen. Der eine siehts halt so, der andere eben anders, nich.
    Und wenn dann alles nicht mehr geht, kann man dem betreffenden ja mit Habermas und dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments entgegnen, dass er das eigentlich gar nicht wollen kann, dass er keine Juden mag.
    Und letztendlich ist das vielleicht auch nur der Sozialismus eines dummen Kerls!
    Meine Güte, da muss man doch im Zweifel für den Angeklagten plädieren.
    Denn dass der Artikel Antisemitismus par excellence ist – man will hier doch nicht direkt wieder die Keule rausholen, wo kommen wir denn da hin?
    Ich habe auch _keine_ Sekunde erwogen, diesem Typen ins Gesicht zu treten. Käme mir nie in den Sinn.

  5. Herr Ernst said, on Februar 20, 2010 at 5:29 am

    Stehen Sie eigentlich schon auf der Beobachtungsliste von Verfassungsschtz und Polizei? Dann wirds aber mal Zeit…

  6. Miriam Woelke said, on Februar 22, 2010 at 8:08 am

    B“H

    Bisher wehrte sich Buergermeister Nir Barkat erfolgreich gegen die Raeumung des „Beit Yehonathan“, denn er droht damit, 200 illegale arabische Wohnungen zu raeumen, wenn des den bewohnern des Beit yehonatahn an den Kragen geht.

    Im Uebrigen wohnen die Bewohner Silwans seit Jahren friedlich zusammen mit jenen Juden, welche in der „Ir David – City of King David“ gleich nebendran leben.

  7. lalibertine said, on Februar 22, 2010 at 10:24 pm

    „die Araber sind unter sich. Fast unter sich.“

    Schon eklig, wenn man nicht unter sich sein kann in der Volksgemeinschaft. Das geht natürlich gar nicht, dass sich da jüdische Fremdkörper breitmachen. In der Hauptstadt der Bewegung hat man vollstes Verständnis dafür, ist doch klar.


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