Zeitung für Schland

„Ist Kritik an Israel möglich?“

Posted in Deutsche Zustände by Mr. Moe on Februar 24, 2010

Folgendes kommt dabei heraus, wenn Helmut Schmidt und Fritz Stern von Reinhold Beckmann gefragt werden, ob „Kritik an Israel“ in Deutschland „möglich“ oder nicht etwa „tabu“ sei:

Ist „Kritik“ an Israel „möglich“? – es hat beinahe schon etwas Erheiterndes, dass diese Frage gerade jenen zwei alten Männern gestellt wurde, die zwecks ihrer Beantwortung im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen fünf Minuten lang „Israelkritik“ par exellence betreiben und dabei eine bemerkenswerte Reihe an Ressentiments und Falschaussagen verbreiten, ohne dass sie mit nennenswertem Widerspruch des Moderators, der Medien oder führender Politiker zu rechnen haben. Fast ebenso erheiternd ist der Gedanke daran, dass jeglicher Einspruch gegen die Herren Schmidt und Stern schlichtweg als Bestätigung ihrer kruden Thesen gewertet und folglich vom Einfluss der „Israel-Lobby“ schwadroniert werden würde.

hat tip: tw_24:blog.

13 Antworten

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  1. Claudio Casula said, on Februar 25, 2010 at 9:36 am

    Ist Kritik an Israel möglich?

    Un: Ist der Papst katholisch?

  2. Zahal said, on Februar 25, 2010 at 10:03 am

    Bezeichnend fand ich auch Schmidts Aussage, (er 91, den ganzen Shit mitgemacht), daß Deutschland ja nu zu nichts verpflichtet sei, warum auch, ist ja nichts geschehen.

    Ich habe gerade von Saul K. Padover das Buch gelesen: Lügendetektor, Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45, dort hat der Autor Arbeiter, Lehrer, kleine Bürgermeister, Anwälte und auch Hausfrauen interviewt, lesenswert, wie unbekümmert sich diese Leute geäussert haben und vor allen Dingen nach dem Krieg gleich wieder ein neues Feindbild hatten, die polnischen und russischen Zwangsarbeiter (wer hätte das gedacht) , die, nachdem sie „befreit“ wurden, sich natürlich auch ernähren mussten, sie jammerten, daß Deutschland den Krieg verloren hatte, sie jammerten über die Polen, die sich alles unter den Nagel rissen, sie hassten die Amerikaner, die Deutschland besiegt hatten. Diese Aussagen sind nooch unverfälscht und geben einen Einblick in deren Mentalität, immer die anderen sind Schuld.

    Und jetzt kommt dieser „Altbundeskanzler“ daher und redet davon, daß man ja keine Verpflichtungen hätte und man gleich als Antisemit gebrandmarkt würde, wenn man Israel kritisiert, dabei geschieht seit fast 40 Jahren nichts anderes.

    Schlimm, schlimm, was wieder möglich ist und manche Juden helfen auch noch.

  3. pink.homer said, on Februar 25, 2010 at 10:56 am

    „ohne dass sie mit nennenswertem Widerspruch des Moderators“

    Das halte ich für eine infame Lüge! Gerade schaute ich mir das Video an und ich kann sagen: es gab gar keinen Widerspruch durch den Moderator, auch keinen nennenswerten! Vielmehr hat dieser Schwiegermutterliebling, so wie sie das immer tun, sein Gegenüber bestärkt!

  4. Claudio Casula said, on Februar 25, 2010 at 2:07 pm

    Was Schmidt betrifft:

    Ich erinnere mich, dass er Anfang der 80er-Jahre mal in einem TV-Gespräch erklärte, Deutschland habe aufgrund seiner Vergangenheit eine historische Verantwortung für die Palästinenser (sic!). Ungeheuerlich, aber genau so hat er’s gesagt.

    Leider hat sich Begin damals nicht darauf beschränkt, Schmidt daran zu erinnern, wem gegenüber Deutschland eine historische Verantwortung hat, sondern schoss in seiner Replik weit übers Ziel hinaus.

    Also, was das Thema betrifft, liegt Schmidt, bei all seinen Verdiensten, einfach schief. Zumal er sich ja (zu recht) heute noch was drauf zugute hält, sich nicht vor dem Terrorismus gebeugt zu haben.

    Außerdem kann man sich wohl, wenn man nicht mehr in der Verantwortung steht, leichter erlauben, die Welt ganz anders zu interpretieren, und sei es aus einem Ohrensessel in Hamburg-Langenhorn heraus.

  5. CK said, on Februar 26, 2010 at 11:43 am

    Tatsächlich glaube auch ich nicht, dass ein anderes Land, auch Deutschland nicht, Israel gegenüber zu irgendetwas auch nur verpflichtet ist (ausser dem in gegenseitigen internationalen Verträgen freiwillig Abgeschlossenem natürlich), Vergangenheit hin oder her. Vielen Israelis wäre ein „Leave alone“ wohl auch lieber als diese ewigen Nahostdebatten in Deutschland.

    Ich bin durchaus dafür, dass die westliche Welt sich auf Israels Seite stellt, aber aus rationalem Eigennutz(!) heraus, unserer Werte wegen, der Freiheit wegen, nicht aus falsch verstandener Pflicht, die das Verhältnis der deutschen Bürger zu Israel unnötig korrumpiert. Das Wort Pflicht ist nahezu Gift hier und tut mir leid, das lehne ich generell ab. Ein Staat hat nur eine Pflicht: das Leben seiner eigenen Bürger zu schützen. (Das ist jetzt kein politischer Dissens mit euch, sondern ein philosophischer.)

  6. Claudio Casula said, on Februar 26, 2010 at 3:39 pm

    Stimme zu – es gibt genügend gute Gründe, auch im Jahr 2010 als Deutscher/Europäer zu Israel zu stehen. Auf Dauer sind die gemeinsamen Werte ein tragfähigeres Fundament als die Shoah, die für jede Generation in noch weitere Ferne rückt (vom steigenden Anteil der „Migranten“, die keinen historischen Ballast mit sich herumtragen wollen, schon gar nicht, wenns um Juden geht, ganz zu schweigen). In Israel sieht man das auch ganz pragmatisch. Allerdings zählt man dort realistischerweise eher auf Amerika als auf „Old Europe“.

  7. PRO ZION NRW said, on Februar 26, 2010 at 11:52 pm

    Das ist doch nicht der original Auschnitt. Die Beiden haben etwas ganz anderes gesagt (und das Studio, bzw. Beckmann sah auch irgendwie anders aus…)

  8. Mr. Moe said, on März 4, 2010 at 3:28 pm

    @CK:
    Vorab bitte ich nachzusehen, dass ich derart verspätet antworte.

    Tatsächlich glaube auch ich nicht, dass ein anderes Land, auch Deutschland nicht, Israel gegenüber zu irgendetwas auch nur verpflichtet ist.

    Ich halte in diesem Fall mit Adorno und würde insistieren, dass es geboten sei, Denken und Handeln so einzurichten,dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe. So verstanden sehe ich nicht nur eine deutsche, sondern auch eine europäisch-amerikanische respektive – freilich theoretisch – weltweite Verpflichtung gegenüber Israel, die indes ausdrücklich nicht beinhaltet, Israel zu bevormunden oder pausenlos Ratschläge zu erteilen. Dies steht m.E. nicht im Widerspruch zu jenen „guten Gründen“ und gemeinsamen Werten, auf die Claudio Casula mit Recht verweist.

    Ich bin durchaus dafür, dass die westliche Welt sich auf Israels Seite stellt, aber aus rationalem Eigennutz(!) heraus, unserer Werte wegen, der Freiheit wegen, nicht aus falsch verstandener Pflicht, die das Verhältnis der deutschen Bürger zu Israel unnötig korrumpiert.

    Die Unterstützung Israels aus rationalem Eigennutz ist zweifellos jener auf bloßer Pflichterfüllung basierender „Solidarität“ (ohnehin kein schönes Wort) vorzuziehen. Das Verhältnis Deutscher zu Israel braucht allerdings nicht erst noch korrumpiert zu werden, dieses Argument teile ich folglich nicht.

    Das Wort Pflicht ist nahezu Gift hier und tut mir leid, das lehne ich generell ab. Ein Staat hat nur eine Pflicht: das Leben seiner eigenen Bürger zu schützen. (Das ist jetzt kein politischer Dissens mit euch, sondern ein philosophischer.)

    Ich denke schon, dass es sich hier letztlich auch um einen philosophischen Dissens handelt, insofern ich der Meinung bin, dass die Pflicht eines Staates dann doch mehr umfasst als das rein faktische Innehaben eines Gewaltmonopols (was in meinen Augen im Übrigen eher eine etwas verkürzte Definition von „Staat“, als eine Bestimmung seiner Aufgaben zu sein scheint).

  9. CK said, on März 4, 2010 at 5:28 pm

    @Mr.Moe: Natürlich sehe auch ich es als meine Verantwortung an, dass sowas wie der HC oder Vergleichbares nicht mehr bei uns oder überhaupt passiert. Das Wort „Pflicht“ missfällt mir allerdings in bezug auf uns Bürger, weil es irgendwie nach mangelnder, eigener Überzeugung klingt und man mit Pflichten nur zu gerne Zwang und Gewalt gegen andere Menschen legitimiert. Du kennst meine kompromisslose Ablehnung der Wehrpflicht und anderer Zwangsdienste. Auch Obrigkeitshörigkeit droht bei diesem Wort, gerade in Deutschland.(Was Anderes sind natürlich Selbstverpflichtungen durch freiwillig abgeschlossene Verträge oder auch bspw. das Setzen von Kindern in die Welt, Entscheidungen denen eine rationale Überzeugung vorausgehen sollte.) Solidarität ist mir da schon viel lieber als Wort, da positiv konnotiert.

    „Das Verhältnis Deutscher zu Israel braucht allerdings nicht erst noch korrumpiert zu werden, dieses Argument teile ich folglich nicht.“

    Ja, leider ist es das bereits, aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass eben in der Schule ein Schuldkomplex erzeugt wird?

    Bzgl. Staatsaufgaben: ich persönlich bevorzuge durchaus den klassisch-liberalen Minimalstaat (auch Nachtwächterstaat genannt), aber diese Diskussion füllt ganze Bücher. Meine persönlichen Ausführungen findet man hier (wobei die Rubrik noch unvollständig ist):

    http://de.wordpress.com/tag/aufgaben-des-staates/.

  10. Mr. Moe said, on März 4, 2010 at 9:32 pm

    @CK:

    Das Wort „Pflicht“ missfällt mir allerdings in bezug auf uns Bürger, weil es irgendwie nach mangelnder, eigener Überzeugung klingt und man mit Pflichten nur zu gerne Zwang und Gewalt gegen andere Menschen legitimiert.

    Prinzipielle Übereinstimmung, wobei mir Zwang und Gewalt als vorzuziehende Alternative erscheinen, wenn (und nur dann wenn) sie notwendig sind, um einen erneuten Vernichtungsfeldzug zu stoppen.

    Solidarität ist mir da schon viel lieber als Wort, da positiv konnotiert.

    Mir ist Solidarität nicht lieber, da ich mit selbiger irgendwie Leute verbinde, die reden, aber nicht handeln. Abgesehen davon klingt mit das Wort zu sehr nach stumpfer Vergemeinschaftung und mit den meisten Leuten, die Wörter wie „Solidarität“ häufiger als notwendig benutzen, sollte man nicht einmal einen Kaffee trinken gehen😉

    Ja, leider ist es das bereits, aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass eben in der Schule ein Schuldkomplex erzeugt wird?

    Wundert mich doch, dass gerade Du in diesem Fall der Gesellschaft die Schuld in die Schuhe schieben willst😉 Zumal ich es für einen Mythos halte, dass in deutschen Schulen „Schuldgefühle“ verordnet und so „Schuldkomplexe“ erzeugt werden.

    Bzgl. Staatsaufgaben

    Ansatzweise haben wir das ja auch an anderer Stelle diskutiert, von daher würde ich da jetzt nicht weiter darauf eingehen wollen😉

  11. CK said, on März 4, 2010 at 10:38 pm

    „Prinzipielle Übereinstimmung, wobei mir Zwang und Gewalt als vorzuziehende Alternative erscheinen, wenn (und nur dann wenn) sie notwendig sind, um einen erneuten Vernichtungsfeldzug zu stoppen.“

    -> Wenn Du damit Gewalt gegen den Feind meinst, absolut ja. Da bin ich ggf. für ein hartes Durchgreifen, sprich militärische Einsätze oder auch gezielte Tötungen (natürlich unter Einhaltung des Kriegsrechtes und der Genfer Konventionen). Zwang und Gewalt sind dann absolut legitim, wenn sie der Selbstverteidigung dienen. Nicht einverstanden bin ich aber damit, wenn es gegen die eigenen Landsleute geht. Eine Wehrpflicht halte ich jederzeit für eine Art Sklaverei, egal wo. Sicher können wir uns alle bei den Amis bedanken, die unseren Kontinent vom Nazismus befreit haben. Dies ändert aber nichts daran, dass ider Einzug dieser jungen Männer in den zweiten Weltkrieg m.E. Unrecht war. Gottseidank gibt es heute eine bezahlte Profiarmee.

    „Mit den meisten Leuten, die Wörter wie “Solidarität” häufiger als notwendig benutzen, sollte man nicht einmal einen Kaffee trinken gehen“.

    Naja wenn Du dabei an Linke i.S.v. Staatssozialisten denkst wie die von der gleichnamigen Partei bspw. -> Vollste Zustimmung, aber wenn ich von Solidarität rede, ist es was Anderes😉

    „Wundert mich doch, dass gerade Du in diesem Fall der Gesellschaft die Schuld in die Schuhe schieben willst.“

    Nein, will ich nicht. Sorry, wenn es so rüberkam, suche nur nach Erklärungen. Aber viele Leute saugen halt unbewusst allerhand Müll auf (das ist zwar keine Entschuldigung, man hat gefälligst drüber nachzudenken was man so annimmt, das sage ich übrigens als Einer, der selber vieles früher einfach runtergeschluckt hat), aber ist eben leider so. Es scheint jedenfalls einen Schuldkomplex zu geben, der sich gegen Israel richtet, woher dieser auch kommt…

    „Ansatzweise haben wir das ja auch an anderer Stelle diskutiert“

    -> Stimmt. Aber die Linksammlung könnte dennoch durchaus interessant sein, auch für andere Leser hier🙂

  12. Peter said, on März 5, 2010 at 10:28 pm

    @ CK & Claudio:
    Was Verpflichtungen aus der Geschicht betrifft, so scheinen viele deutsche Israel-Basher ja gerade der Ansicht zu sein, diese zu erfuellen – „Gerade wir als Deutsche…“ und, besonders pervers, „Die Juden/Israelis haben aus dem Holocaust die falsche Lehren gezogen“. Gerade letzterer Satz bringt mich immer auf die Palme. Und wenn ich mit dem Bus das Denkmal fuer „Bomber Harris“ passiere und daran denke, was heute so abgeht in einigen im 2. Weltkrieg bombardierten Gegenden wie Koeln (eine Karrikatur eines kinderfressenden Juden ist keine Volksverhetzung) oder dem Ruhrgebiet (Israelflaggen als Protest gegen antisemitische Aufmaersche sind polizeilich zu unterbindende Provokationen), dann kann ich mich nicht der Frage erwehren, ob nicht die Deutschen einer Wiederauffrischung des historischen Lehrstoffes beduerfen.

  13. willow said, on März 6, 2010 at 8:45 am

    Apropos „auf die Palme“ ….. gestern wieder im Deutschlandfunk Sebastian Engelbrecht gehört! Pallywood von Feinsten, der Typ muß Israel derartig hassen, es ist nahezu unerträglich. Der MDR hat den Beitrag wohl auch gebracht:

    http://www.mdr.de/mdr-info/7139641.html


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