Zeitung für Schland

Deckmantel

Posted in Deutsche Zustände, Die üblichen Verdächtigen by Mr. Moe on März 11, 2010

SPIEGEL ONLINE weiß über den neuen vom US-Außenministerium erstellten Bericht zur Lage der Menschenrechte u.a. Folgendes zu berichten:

Die Kritik an Israels Politik gehe mit wachsendem Antisemitismus einher, hieß es weiter. […] Der Antisemitismus habe im vergangenen Jahr [in Europa, Mr. Moe] – vor allem seit Israels Invasion im Gaza-Streifen im Winter 2008/2009 – „weiter zugenommen“, heißt es in dem Bericht. Die „neue Form“ des Antisemitismus komme oft unter dem Deckmantel der Kritik an Israels Politik oder am Zionismus daher, „überschreitet dabei aber die Linie zur Dämonisierung aller Juden“. Dies manifestiere sich in körperlichen Angriffe auf Juden, Friedhofsschändungen und Beschwerden über ungebührlichen Einfluss von Juden in Politik und Medien.

In diesem Zusammenhang sei auf eine mehr oder weniger zufällige Auswahl deutschsprachiger Kommentare zu den jüngsten Ereignissen in Israel verwiesen:

Peter Münch, Süddeutsche Zeitung – „Eine Freundschaft in Scherben“ (hat tip: Spirit of Entebbe„Unbotsmäßige Juden“):

Das [jüdische Leben in Ostjerusalem, Mr. Moe] ist Provokation, ja es zeugt von Hybris – der kleine Partner führt den großen vor. Für Präsident Obama sollte dies der Anlass sein, Premierminister Netanjahu druckvoll klarzumachen, dass auch die besondere Freundschaft zwischen den beiden Staaten Grenzen kennt. Die rote Linie verläuft dort, wo Israel Amerikas Autorität untergräbt. Zögert Obama nun, dann wächst die Gefahr, dass sich Jerusalem auch in einer anderen Frage löst von einer Kursabstimmung mit Washington: im Umgang mit dem Teheraner Atomprogramm. Wenn Israel, wie bereits angedroht, tatsächlich im Alleingang die iranischen Atomanlagen bombardieren wird, dann droht die ganze Region im Krieg zu versinken.

Inge Günther, Frankfurter Rundschau „Ungenierte Landnahme“:

Daran zeigt sich auch, wie ungeniert Israels Regierung nach wie vor über Land verfügt, das nach internationalem Recht den Palästinensern zusteht.

Clemens Verenkotte, Tagesschau – „Eine vergebliche Reise“:

Israels rechtsnationale Regierung legt keinen gesteigerten Wert darauf, auch nur den diplomatischen Anschein zu erwecken, als ob sie sich in ihrer Siedlungspolitik von Washington oder sonstigen Verbündeten reinreden lässt. […] In Ramallah im besetzten Westjordanland, an der Seite des ohnehin tief frustrierten Palästinenser-Präsidenten Machmud Abbas, fand Obamas Stellvertreter ungewohnt scharfe Worte für die jüngsten Siedlungspläne Israels. Doch diese bleiben – wie immer – folgenlos. Um die Feststellung zu treffen, dass durch die beständig neue Siedlungsbauten genau „das Vertrauen untergraben“ werde, das aus US-Sicht jetzt aufgebaut werden müsse, hätte Biden nicht hierher reisen müssen.

Martin Woker, Neue Züricher Zeitung – „Biden und die Brandstifter“:

Obama wird nicht darum herumkommen, auf die jüngste Provokation aus Jerusalem zu reagieren. Deutlicher hätte nicht demonstriert werden können, was die demokratisch gewählte israelische Regierung von der geplanten neuen Verhandlungsrunde und damit auch von einer Zweistaatenlösung hält: gar nichts. Die Konsequenz solchen Handelns aus einer Position der vermeintlichen Stärke lässt nur zwei Möglichkeiten offen: die Ausschaffung aller Nichtjuden aus Cisjordanien, wie sie israelische Extremisten seit langem fordern; dies käme einer «ethnischen Säuberung» gleich. Oder aber die Einsicht, dass zwischen Jordan und Mittelmeer der Platz nur noch reicht für einen einzigen Staat – mit gleichen Rechten für alle Bürger.

Gregor Peter Schmitz und Christoph Schulz, SPIEGEL ONLINE – „Gute Worte, Böse Freunde“:

Es ist ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und den USA: die Ankündigung, jüdische Siedlungen im annektierten Teil Jerusalems auszubauen.

Der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Wohnungsbaupläne mag als politisch unklug kritisieren werden können – was im Übrigen sowohl von Israel grundsätzlich wohlgesonnener Seite aus als (natürlich) in israelischen Medien geschieht. Des Weiteren mag sich über die von „israelkritischer“ respektive israelfeindlicher – mit anderen Worten: deutscher, europäischer und postamerikanischer – Seite bereitwillig als eben solche aufgefasste günstige Gelegenheit für Abbas geärgert werden, die „Friedensverhandlungen abzusagen“ und Israel so mit (noch größerer) Leichtigkeit (als ohnehin schon seit jeher) den „Politischen Schwarzen Peter“ zuzuschieben.

Indes steht nach wie vor unweigerlich fest, was bereits vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden in Israel feststand: Weder jüdische Wohnungen in der israelischen Hauptstadt Jerusalem, noch die „rechtsnationale“ israelische Regierung stellen das größte Hindernis für den sogenannten „Friedensprozess“ dar – egal wie häufig und lautstark dies deutsche Zeitungen (oder amtierende US-Präsidenten) auch verkünden mögen. Der derzeitige mediale Aufschrei lässt sich folglich am Besten mit jener von deutschen Nahostberichterstattern fortlaufend falsch verwendeten Floskel beschreiben: unangemessen.

4 Antworten

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  1. heplev said, on März 13, 2010 at 7:02 pm

    Die anstehende Namensgebung eines Platzes in Ramallah (nach der „erfolgreichsten“ Terroristin der PLO-Geschichte) macht genauso wenig Wellen wie die Qassams vom Donnerstag. Man muss halt Prioritäten setzen. Und die sagen, dass nur Israel den Frieden verhindert und nicht will, wie die Welt es gerne hätte.
    Sollen wir den Schluss daraus ziehen, dass „die Welt“ (und die deutsche Journaille) den Judenstaat gerne weg haben will?
    Logisch wäre das allemal.

  2. […] Moe hat eine kleine Auswahl deutschsprachiger Kommentare dazu zusammengestellt – wobei diese Kommentare von den […]

  3. Zahal said, on März 16, 2010 at 8:50 pm

    mich wundert überhaupt nichts mehr, wenn ich lese, wozu sich deutsche Journalisten verpflichtet haben.

    Hier eine Liste von Journalisten, die sich zu einer “objektiven” (islamophil-unkritischen) Berichterstattung über den Islam verpflichtet haben. Dazu gehören sie dem Netzwerk Fachjournalisten Islamische Welt (NEFAIS) an:
    Katajun Amirpur, Publizistin, Köln
    Ludwig Ammann, Publizist, Freiburg/Brsg.
    Golineh Atai, Redakteurin WDR-Fernsehen, Köln
    Kristina Bergmann, NZZ-Korrespondentin, Kairo
    Björn Blaschke, Redakteur WDR-Hörfunk, Köln
    Stefan Buchen, Autor ARD-Politikmagazin Panorama, Hamburg
    Amira El Ahl, Freie Korrespondentin, Kairo
    Karim El-Gawhary, ORF-/Zeitungskorrespondent, Kairo
    Susanne El Khafif, Redakteurin DLF, Köln
    Julia Gerlach, Freie Korrespondentin, Kairo
    Thilo Guschas, Freier Journalist, Ahrensburg bei Hamburg
    Florian Harms, CvD Spiegel Online, Hamburg
    Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin der Standard, Wien
    Rainer Hermann, FAZ-Nahostkorrespondent, Abu Dhabi
    Navid Kermani, Schriftsteller und Publizist, Köln
    Victor Kocher, NZZ-Nahostkorrespondent, Limassol
    Michael Lüders, Publizist, Politik- und Wirtschaftsberater, Berlin
    Bettina Marx, Redakteurin Deutsche Welle, Berlin
    Tobias Mayer, Freier Radioredakteur, Bochum
    Albrecht Metzger, Freier Autor, Hamburg
    Yassin Musharbash, Redakteur Spiegel Online, Berlin
    Mona Naggar, Freie Korrespondentin, Beirut
    Nadja Odeh, Redakteurin SWR, Baden-Baden
    Jens-Uwe Rahe, Freier Redakteur DW-TV, Berlin
    Christoph Reuter, stern-Korrespondent, Kabul
    Hans-Christian Rößler, FAZ-Korrespondent Israel/Palästinensergebiete, Jerusalem
    Martina Sabra, Freie Journalistin, Köln
    Esther Saoub, Korrespondentin ARD-Hörfunk, Kairo
    Isabel Schayani, Redakteurin ARD-Politikmagazin Monitor, Köln
    Jürgen Stryjak, Freier Korrespondent, Kairo
    Stefan Weidner, Publizist, Köln

    http://www.nefais.net/nefais/mitglieder-des-netzwerkes/

    Wenn also auf Seiten der Presse eine Verpflichtung besteht, proarabisch bzw. proislamisch zu berichten, weiss man auch, wer dabei auf der Strecke bleibt oder?

    Und in der Tat kennen wir ja einige Kandidaten nur zu gut……Weitersagen und weiterleiten diesen Link bitte.

  4. […] Während deutsche Medien US-Präsident Obama einvernehmlich als prominentesten Mitspieler des Volkssports „Israelkritik“ huldigen wird die Obama-Regierung in den Vereinigten Staaten bezüglich ihrer Haltung gegenüber […]


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