Zeitung für Schland

Worte der Woche (49)

Posted in Worte der Woche by Mr. Moe on März 27, 2010

Für die USA ist es ein wichtiger außenpolitischer Erfolg – für die Russen der Beleg, dass sie auf Augenhöhe mit dem Westen bleiben.

Benjamin Bidder schafft es für SPIEGEL ONLINE nicht nur, sich innerhalb des gleichen Satzes zu widersprechen, sondern jenes von US-Präsident Obama mit Russland ausgehandeltes Abrüstungsabkommen als Erfolg zu verkaufen, das Michael Anton im Weekly Standard in einer lesenswerten Analyse mit der folgenden treffenden Metapher erklärt:

Think of a minor league team negotiating a salary cap with the Yankees: It’s in their interest to push the figure down as low as possible.

Unterm Strich bleibt, dass der amtierende US-Präsident entgegen die amerikanischen Interessen handelt und dafür von eben jener deutschen Journaille mit Lob überhäuft wird, die es ohne die militärische Stärke der Vereinigten Staaten in der jetzigen Form gar nicht geben würde.

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4 Antworten

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  1. CK said, on April 5, 2010 at 6:42 pm

    Man könnte das komplexe Thema Russland vlt. durchaus auch mal aus ganz anderer Perspektive anschauen. Russland hat- wie die letzten Terroranschläge in Moskau ja wieder gezeigt haben- durchaus einen großen, gemeinsamen Feind mit den USA: den Islamismus eben. Es kann auch nicht im Interesse der Russen sein, dieser totalitären Bedrohung, die seitens des Iran seit Jahren finanziert wird, tatenlos zuzusehen. Putin bekämpft den Feind ja in Tschetschenien ohnehin bereits seit Jahren vor der Haustür.

    Die geplanten Raketenabwehrstationen in Polen und Tschechien haben den Beziehungen zwischen den USA und Russland damals leider nicht gutgetan. Es könnte also durchaus mittel- bis langfristig von Vorteil sein, sich mit Russland wie auch China zu arrangieren, nicht nur finanziell (Nuklearwaffen kosten viel Geld), sondern auch durchaus in bezug auf UN-Sanktionen gegen den Iran.

  2. Mr. Moe said, on April 5, 2010 at 6:49 pm

    @CK:

    Man könnte das komplexe Thema Russland vlt. durchaus auch mal aus ganz anderer Perspektive anschauen. Russland hat- wie die letzten Terroranschläge in Moskau ja wieder gezeigt haben- durchaus einen großen, gemeinsamen Feind mit den USA: den Islamismus eben. Es kann auch nicht im Interesse der Russen sein, dieser totalitären Bedrohung, die seitens des Iran seit Jahren finanziert wird, tatenlos zuzusehen. Putin bekämpft den Feind ja in Tschetschenien ohnehin bereits seit Jahren vor der Haustür.

    In Russland wird, so mein Eindruck, nach wie vor davon ausgegangen, dass alles gut sei, was den Amerikanern schade – eben weil man sich auf jener „Augenhöhe“ mit dem Westen sieht, die nicht besteht, aber von Putin oder Schröder herbeigesehnt wird. Die „Islamische Republik“ zumindest braucht sich vor Russland nicht zu fürchten, im Gegenteil.

    Die geplanten Raketenabwehrstationen in Polen und Tschechien haben den Beziehungen zwischen den USA und Russland damals leider nicht gutgetan. Es könnte also durchaus mittel- bis langfristig von Vorteil sein, sich mit Russland wie auch China zu arrangieren, nicht nur finanziell (Nuklearwaffen kosten viel Geld), sondern auch durchaus in bezug auf UN-Sanktionen gegen den Iran.

    Das ist m.E. in der Tat eine „ganz andere Perspektive“ – nämlich diejenige der russischen Regierung. Wenn die Raketenabwehrstationen russischen Militärs und/oder Politikern aufgrund ihrer Macht- und Wahnphantasien nicht gefallen, dann ist das zunächst erst einmal vornehmlich ein russisches und kein amerikanisches oder polnisches/tschechisches Problem. Ansonsten wird sich doch permanent mit Russland und China „arrangiert“ – zumindest in Bezug auf mögliche Sanktionen gegen den Iran im Übrigen mit überaus zweifelhaftem Erfolg.

  3. CK said, on April 5, 2010 at 11:08 pm

    Dann wird es Zeit dass in Russland einige Menschen aufwachen. Der kalte Krieg ist gottseidank vorbei und wieso sollte man ihn krampfhaft wiederaufleben lassen? Wieviele Zivilisten müssen denn noch sterben, bis auch die russische Regierung begreift, dass die neue Weltordnung eine andere bzw. keine bilaterale (USA vs. UdSSR) mehr ist? Dass Russland wie Europa und die USA vom Islamismus bedroht werden?

    Da war man schon mal weiter. Nach Beslan gab es ein Treffen Bush-Putin wo es so aussah, als sei dies begriffen worden, aber seitdem ist leider nichts so gekommen, wie ich es mir erhofft hatte.

    Damit keine Missverständnisse entstehen: gerade als Liberaler habe ich an Russland (und auch an China) genug zu kritisieren, statt wirklich freien Märkten grassiert dort eher ein neuer quasi-faschistischer Staatskorporatismus, aber aussenpolitisch wünsche ich mir seit langem ein Aufeinanderzugehen der drei selbsternannten Supermächte. Weil ich denke, dass unsere Freiheit derzeit am meisten vom Islam bedroht wird und da muss man halt leider Zweckbündnisse eingehen.

    Russland mag heute gute Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran machen, aber das ist alles zu kurzfristig gedacht. Mittel- bis langfristig sähe m.E. eine vernünftige russische Politik anders aus. Wieviele Bomben müssen denn noch explodieren bis dies endlich begriffen wird? (Ich sehe meinen Beitrag also durchaus gerade auch als Kritik an Russland.)

    Die USA sollten natürlich ihre Politik zuerst und zuvorderst an eigenen Bedürfnissen orientieren, aber nichtsdestotrotz war vorsehbar dass die geplanten Abwehrstationen der russischen Regierung missfallen würden. Nicht anders sähe es umgekehrt aus, wenn Russland in Südamerika sich breit machen würde. Ich finde es persönlich schade, dass die Fronten nun wieder so verhärtet sind. Wenn Obama oder sonstwer Russland endlich dazu bewegt, vernünftiger zu werden, wäre dies durchaus wünschenswert.

    Dazu müssten die USA aber auch klar machen, dass sie auch zu militärischen Mitteln gegen den Iran bereit sind, wenn die Sanktionen nichts bringen oder gar nicht erst erfolgen. Ich plädiere also nicht für Appeasement, ganz im Gegenteil, aber man muss wissen wen man mit aller Härte attackiert und wen man lieber erstmal für sich zu gewinnen versucht. Eine USA, die klarmacht, dass sie gnadenlos mit ihren Feinden zu aufräumen gedenkt, werden die Russen lieber als Partner denn als Feind haben wollen.

  4. Mr. Moe said, on April 6, 2010 at 12:50 pm

    Dann wird es Zeit dass in Russland einige Menschen aufwachen.

    Nicht nur in Russland, auch in deutschen Redaktionen zum Beispiel😉

    Damit keine Missverständnisse entstehen: gerade als Liberaler habe ich an Russland (und auch an China) genug zu kritisieren

    Keine Angst, dessen bin ich mir bewusst. Bezüglich der leider von Zeit zu Zeit notwendigen oder notwendig erscheinenden „Zweckbündnisse“ bin ich zwar prinzipiell Deiner Meinung, allerdings dürfen diese ausschließlich Mittel zum Zweck und nicht das Leitmotiv der Außenpolitik selbst sein. Letzteres ist bei der Obama-Regierung der Fall, sogar noch in der pervertierten Form, in der tatsächliche oder etwaige Zweckbündnissen zu freundschaftlichen Beziehungen verklärt werden.

    Russland mag heute gute Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran machen, aber das ist alles zu kurzfristig gedacht. Mittel- bis langfristig sähe m.E. eine vernünftige russische Politik anders aus.

    Gute Geschäfte mit dem Iran macht nicht nur Russland. Es liegt in der Natur von „guten Geschäften“ liegt, dass langfristige negative Externalitäten kaum oder gar nicht berücksichtigt werden.

    Die USA sollten natürlich ihre Politik zuerst und zuvorderst an eigenen Bedürfnissen orientieren, aber nichtsdestotrotz war vorsehbar dass die geplanten Abwehrstationen der russischen Regierung missfallen würden. Nicht anders sähe es umgekehrt aus, wenn Russland in Südamerika sich breit machen würde.

    Abgesehen davon, dass ich die Analogie für schwierig halte: der Obama-Regierung dürfte das, wie fast alles, was Amerika weltweit schadet, wenig schlaflose Nächte bereiten – zumal es ja noch Juden in Ostjerusalem gibt.

    Wenn Obama oder sonstwer Russland endlich dazu bewegt, vernünftiger zu werden, wäre dies durchaus wünschenswert.

    Auch wenn Russland weder Syrien noch der Iran ist, gleicht sich hier die Argumentation: wir (der Westen, die USA) müssen uns ändern, damit sie (in diesem Fall Russland) xyz tut oder unterlässt (in diesem Fall „vernünftiger werden“). Ich halte diese Argumentation nicht nur für falsch, sondern für fatal. Russland wird seine Politik nicht ändern, nur weil Obama amerikanische Interessen mit Füßen tritt.

    Dazu müssten die USA aber auch klar machen, dass sie auch zu militärischen Mitteln gegen den Iran bereit sind, wenn die Sanktionen nichts bringen oder gar nicht erst erfolgen. Ich plädiere also nicht für Appeasement, ganz im Gegenteil, aber man muss wissen wen man mit aller Härte attackiert und wen man lieber erstmal für sich zu gewinnen versucht. Eine USA, die klarmacht, dass sie gnadenlos mit ihren Feinden zu aufräumen gedenkt, werden die Russen lieber als Partner denn als Feind haben wollen.

    Sehe ich ähnlich, nur bleibt diesbezüglich nur eines: warten auf eine neue US-Regierung.


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