Zeitung für Schland

Wir sind raus – und wir sind stolz darauf

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Februar 9, 2009

Die F.A.Z. hat sich in der Vergangenheit bereits einige moralische Aussetzer erlaubt. Sei es, dass sie dem iranischen Außenminister Mottaki ein Forum gab, seine Ideologie der deutschen Öffentlichkeit anzupreisen, Nachrufe auf 1942 in Russland gefallenen Leutnant der Wehrmacht abdruckte oder berechtigte Antisemitismusvorwürfe als „moralischen Totschlag“ bezeichnete.

Doch wo Schatten war, war auch Licht, und trotz aller berechtigter – und nicht zuletzt an dieser Stelle geäußerter – Kritik hielt der Betreiber dieses Blogs die F.A.Z. bis zum heutigen Morgen für die beste überregionale deutsche Tageszeitung. Dieses Urteil muss angesichts der folgenden ganzseitigen Anzeige auf S. 9 des Politikteils, die der F.A.Z. immerhin 67.000 Euro eingebracht haben dürfte, revidiert werden:

Hamas-Propaganda in der F.A.Z.

Hamas-Propaganda in der F.A.Z.

In prominenter Platzierung wird im Politikteil einer führenden deutschen Tageszeitung die Ermordung israelischer Zivilisten als quasi naturgemäße Reaktion auf die „Besatzung“ nicht nur erklärt, sondern entschuldigt, genehmigt, akzeptiert. Deutlicher kann man sich nicht zum Sprachrohr der Hamas degradieren lassen. Deutlicher kann sich eine deutsche Tageszeitung nicht zum Judenhass und Genozid bekennen.

In der Überzeugung, dass diese Entscheidung ohne Alternative ist, hat der Betreiber dieses Blogs sein Abonnement „einer der besten Zeitungen der Welt“ daher soeben gekündigt. Wer einen Rest Anstand besitzt möge es ihm gleichtun, denn wer sein Abonnement aufrecht erhält bekennt sich zu den Judenmördern der Hamas und finanziert überdies diejenigen, die in Deutschland Verständnis für selbige aufbringen.

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Wie die F.A.Z. die Lüge der getroffenen UN-Schule richtigstellt

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Februar 6, 2009

Nachdem selbst die UN zugeben musste, dass Israel die UN-Schule nicht getroffen hat, stehen die Medien, die eben dieses in überwältigender Mehrheit und nur allzu vorschnell und wortgewaltig verkündet hatten, vor einem Dilemma: Gleichwohl der Schaden irreversibel angerichtet ist, gebietet es journalistischer Anstand die Sachlage richtig zu stellen. Die F.A.Z. bringt nun das Kunststück fertig, dies unter einem Artikel mit der Überschrift „Wir waren es“ [!], mit der Unterüberschrift „Israel gibt tödlichen Beschuss zu“ [!!] zu tun. Auf der Medienseite der F.A.Z. schreibt Hans Christian Rößler zunächst, dass eine interne Untersuchung der israelischen Armee ergeben hätte, „dass zwei von eigenen Panzern am 16. Januar abgefeuerte Granaten zu dem Tod dreier Töchter und einer Nichte des palästinensischen Arztes Issaldin Abu al Aisch geführt hatten.“ Erst im letzten Absatz wird dann folgendes geschrieben:

Ein UN-Sprecher zog indes den Vorwurf zurück, die israelische Armee habe bei einem Angriff auf eine Schule des UN-Palästinenerhilfswerks UNRWA 43 Zivilisten getötet. Anders als zunächst berichtet, hätten sich die Getöteten nicht in der Schule sondern auf der Straße davor befunden.

In Zusammenhang mit der Überschrift von Rößlers Artikel und der Tatsache, dass die Meldung über die Schule auf halbseitigen Berichten auf den ersten Seiten der F.A.Z. erschienen ist (und trotz anderweitiger Faktenlage auf FAZ.NET nach wie vor abrufbar ist), die Richtigstellung hingegen auf S. 37 in einem Einspalter über dem Fernsehprogramm abgedruckt wird: Wie niederträchtig kann Journalismus eigentlich sein?

Quelle: Hans-Christian Rößler: „Wir waren es“, in: F.A.Z. vom 6. Februar 2009, S. 37.

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Spürnase Bremer

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Januar 18, 2009

Ein findiger Top-Journalist wie Jörg Bremer lässt sich nicht so einfach hinters Licht führen. Es liegt daher auf der Hand, dass der kluge Kopf auch Israels jüngste Täuschungsmanöver aufzudecken weiß:

In der Armee [Israels, Mr. Moe] wurde ein eigener Stab gebildet, der die Hilfslieferungen mit den verschiedenen internationalen Institutionen besser als bisher koordinieren soll. Israel geht es dabei auch um die Presse. In der Welt soll der Eindruck entstehen, Israel habe stets nur die Hamas bekämpft – nie aber die Zivilbevölkerung.

Der F.A.Z.-Leser erfährt demnach zweierlei: Erstens, dass Israel hilft, weil es schlechte Presse fürchtet (als ob es die nicht trotzdem geben würde). Zweitens, dass Israel zwar behaupte, gegen die Hamas und nicht gegen Zivilisten vorzugehen, eigentlich jedoch sehr wohl gegen die Zivilbevölkerung in Gaza kämpfe.

Wie gut, dass Jörg Bremer Israel durchschaut hat.

Quelle: Jörg Bremer: „Die Vorbereitung der Nachkriegszeit“, in: F.A.Z. vom 17. Januar 2009, S. 2.

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F.A.Z. deckt auf: Israel erteilt USA Befehle!

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Januar 14, 2009

Israels scheidender Ministerpräsident Ehud Olmert behauptet, dass US-Präsident Bush seiner Außenministerin Condoleezza Rice aufgrund eines Telefonats mit ihm befohlen hätte, nicht für die von Rice mit ausgearbeitete U.N.-Resolution zu stimmen:

„I said: ‚Get me President Bush on the phone,'“ Olmert said in a speech in the southern Israeli city of Ashkelon. „They said he was in the middle of giving a speech in Philadelphia. I said I didn’t care: ‚I need to talk to him now.‘ He got off the podium and spoke to me.“

Olmert said he argued that the United States should not vote in favor, and the president then called Rice and told her not to do so.

„She was left pretty embarrassed,“ Olmert said.

Die Resolution wurde mit 14 Stimmen angenommen und nur die USA enthielten sich. Allerdings hat die US-Regierung Olmerts Darstellung seines Telefonats mit Bush ungewohnt heftig zurückgewiesen:

Spokesman Sean McCormack said the comments attributed to Olmert „are wholly inaccurate as to describing the situation, just 100%, totally, completely not true“ and suggested that the Israeli government might want to clarify or correct the record.

Horst Bacia schreibt über diesen Vorfall in einem Kommentar in der F.A.Z. hingegen:

Rücksichtslos, wie nur jemand sein kann, der nichts mehr zu verlieren hat, ist Olmert nun nicht einmal davor zurückgeschreckt, die amerikanische Regierung zu blamieren. War es nur Prahlerei, wenn er behauptet, er habe Präsident George Bush, der gerade eine Rede hielt, ans Telefon holen lassen, um ihm kurz vor der Abstimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu sagen, die Vereinigten Staaten dürften nicht für die Waffenstillstandsresolution stimmen? Tatsache ist, dass Außenministerin Condoleezza Rice, die für die Entschließung eingetreten war, sich am Ende enthielt. Etwa auf Anweisung Bushs, wie Olmert behauptet? Das hieße, über die amerikanische Nahostpolitik entschiede Israel. Selbst wenn es so gewesen sein sollte, hätte Olmert besser geschwiegen.

Dies ist nichts anderes als eine Steigerung der Mär von der „Israel-Lobby“. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass US-Präsident Bush Israel im vergangenen Jahr die für einen möglichen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen notwendige Waffenhilfe verwehrt hat, ist das Geschwafel von einer die amerikanische Außenpolitik bestimmenden israelischen Regierung noch abstruser, als es ohnehin schon ist. Aber vielleicht hat ja wenigstens die Wahl Barack Obamas ja zumindest aus dieser Perspektive betrachtet etwa Positives: Ein Präsident, der sich mit Israel derart kritisch und bisweilen feindlich gegenüberstehenden Beratern umgibt, wird wohl kaum in Verdacht geraten, sich seine Nahostpolitik von Israel diktieren zu lassen. Andererseits sind Verschwörungstheoretiker der Welt bekanntermaßen stets eine Nasenlänge voraus, so dass gespannt auf ihre zukünftigen abenteuerlichen Spekulationen gewartet werden darf.

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Gegossenes Blei und die Berichterstattung deutscher Medien am Beispiel der F.A.Z. – Erste Reaktionen von F.A.Z.-Lesern und ein paar Lesemepfehlungen (Teil 3)

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Januar 11, 2009

(zum ersten oder zweiten Teil)

Warum die Online-Umfrage auf FAZ.NET nicht aussagekräftig ist

Einen Anhaltspunkt über die Meinung der F.A.Z.-Leser zur Operation „Gegossenes Blei“ scheint eine von Weihnachten bis Jahresende freigeschaltete Online-Umfrage auf FAZ.NET zu liefern, in der gefragt wurde:

Angriffe auf Gaza – ist Israel im Recht?

Die vier Antwortmöglichkeiten auf diese bereits tendenziös gestellte Frage lauteten:

  1. Das Land muss sich vor Terror schützen – und Hamas hat Israel provoziert
  2. Israel blockiert einen Frieden für Nahost – und darf sich jetzt nicht wundern
  3. Prinzipiell ist Israel im Recht – aber der Militäreinsatz geht entschieden zu weit
  4. Die Lage ist zu unübersichtlich, um zu entscheiden, wer im Recht ist

Das Ergebnis der Umfrage nennt Michael Hanfeld, Leiter des Medienressorts der F.A.Z., in einem mit der wunderbaren Überschrift „Ist Israel im Recht oder die Hamas?“ versehenen Artikel:

Eingeschaltet wurde die Umfrage zu Weihnachten, sie war programmiert bis zum Jahreswechsel und zeigte in den ersten Tagen einen eher unentschiedenen Verlauf. Vierzig Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Einschätzung aus, dass Israel sich verteidigen müsse, vierundvierzig Prozent für die gegenteilige Ansicht. Am 1. Januar, dem letzten Tag der Umfrage, schnellten die Stimmabgaben in die Höhe und wendete sich das Blatt, bis zu dem Punkt, da insgesamt 123.770 von 171.240 Teilnehmern pro Israel und 43.455 kontra votierten. Somit lag die Zustimmung zum Standpunkt Israels mit einem Mal bei mehr als 72 Prozent; 2,3 Prozent der Nutzer neigten in der Umfrage Antwort drei oder vier zu.

Stehen also über 70 Prozent der F.A.Z.-Leser auf der Seite Israels? Natürlich nicht. Abgesehen von der generellen Selektivität von Online-Umfragen begründet Hanfeld die  scheinbare Parteinahme der F.A.Z.-Leser für Israel wie folgt:

Das dürfte damit zu tun haben, dass eine Mitarbeiterin der israelischen Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf per Rundmail zum Jahreswechsel schnell dazu aufgefordert hatte, sich an der Umfrage zu beteiligen. „We need your votes“, hieß es, noch sei es Zeit, das Umfrageergebnis zu beeinflussen, frei nach Barack Obamas Wahlmotto „Yes, we can“. So trug der israelische Standpunkt bei FAZ.NET den Sieg davon, während die Unterstützer der Hamas auf den Straßen der europäischen Hauptstädte aufmarschierten und teils friedlich – wie in Berlin –, teils von Gewalt begleitet – wie in Paris –, demonstrierten.

Nun braucht man gar nicht bis rauf zur israelischen Regierung zu gehen, da auch pro-israelische Websites und Blogs zur Teilnahme an der Umfrage aufgerufen hatten, was ebenfalls zu diesem Meinungsbild beigetragen haben dürfte. Was ist also von der Aussagekraft der Umfrage in Bezug auf die Meinung der F.A.Z.-Leserschaft zu halten? Richtig: Nichts.

Ein weitaus aussagekräftigeres Indiz für die Gesinnung der Leser der F.A.Z. bietet hingegen deren Leserbriefseite. Auch wenn die auf der Leserbriefseite veröffentlichten Beiträge ebenso wie die Online-Umfrage nicht ohne weiteres als repräsentativ angesehen werden können, unterscheiden sie sich von letzterer in drei wesentlichen Punkten:

Erstens erfordert das Schreiben eines Leserbriefes im Gegensatz zum Klicken eines Buttons einen nicht unerheblichen Aufwand und ist daher als deutlich stärkerer Indikator für die wirkliche Meinung einer Person anzusehen. Zweitens ermöglicht die F.A.Z. Ihren Lesern durch die Leserbriefe einen Austausch, wodurch – im Gegensatz zu anderen Publikationen wie etwa der ZEIT oder dem SPIEGEL – eine, zumindest in Teilen, zweiseitige Kommunikation entsteht. Daraus folgt u.a., dass häufig Bezug auf andere Briefe genommen wird und die Leserbriefe in der F.A.Z. einen weitaus höheren Stellenwert als in anderen Zeitungen einnehmen. Drittens zeichnet sich die Leserbriefseite der F.A.Z., trotz den in verlässlicher Regelmäßigkeit abgedruckten antisemitischen, israelfeindlichen und nationalistischen Ausbrüchen, durch ein hohes Niveau aus. Dies liegt auch darin begründet, dass bevorzugt Leserbriefe von öffentlichen Personen, Amtsträgern oder promovierten respektive habilitierten Akademikern abgedruckt werden, wenngleich diese sich bezüglich ihrer Ressentiments  von den Nicht-Doktorträgern nicht wesentlich unterscheiden.

Einmal von der Leine gelassen …

Es hat bis zum 7. Januar gedauert, bis die ersten Reaktionen auf der Leserbriefseite der F.A.Z. zu verzeichnen waren. Und wie nicht anders zu erwarten war, stehen gewöhnliche deutsche F.A.Z.-Leser österreichischen Standard-Lesern in Sachen Israelhass und Antisemitismus in nichts nach. Das Urteil der F.A.Z.-Leser entspricht demnach in jeder Hinsicht dem im zweiten Teil dieser Analyse gezogenen Fazit: Der Pöbel läuft Amok und die F.A.Z. lässt ihn gewähren.

Die Ehre, den ersten Stein schmeißen zu dürfen, gebührt Sven Jösting, der unter dem Titel „Einseitige Beschuldigung“ schreibt:

Wer provoziert eigentlich wen im Palästina-Konflikt? Was erwartet die israelische Regierung, der zionistische Staat, eigentlich, wie sich die Palästinenser im Gaza und Westjordanland ihnen gegenüber zu verhalten hätten?

Vielleicht, dass seit dem Rückzug aus Gaza nicht über 4.000 Raketen auf Israel gefeuert werden? Die Zahl ist Herrn Jösting sicherlich bekannt, versteht er sich doch als ausgemachter Fachmann:

Nach Aussagen vieler Kenner der Situation, auch eines guten freundes, eines Palästinensers, lebt das palästinensische Volk wie in einem Gefängnis und ist allerlei Willkür Israels ausgesetzt.

Auf welche Experten und „Kenner der Situation“ sich Herr Jösting wohl beziehen mag? Auf Prof. Dr. Udo Steinbach, der die Hamas als „Männerchor“ bezeichnet? Oder auf Norman „die-Liste-verlinkter-antisemitischer-Äußerungen-würde-den-Rahmen-dieses-Beitrags-sprengen“ Paech? Wie auch immer, nach einer langen Aufzählung vermeintlicher israelischer Verbrechen („Grenzposten“, „Schikanen“, „Grenzwall/Mauer“, „An- und Abschalten der Stromlieferungen und des Wasserzuflusses“ und natürlich auch „und vieles andere“), hat Herr Jösting jedenfalls eine tolle und innovative Idee:

Ich fände es gut, wenn die arabische Welt einen großen Konvoi an Schiffen an die palästinensische Küste mit Hilfsgütern lenkte und die israelische Besatzung und Blockade wahrlich „alt“ aussehen ließe – ohne Waffengewalt hier den Durchbruch zu wagen; die Hamas müsste wissen, dass Raketen keine Lösung sind und die Probleme eher noch verschärfen.

Wie viele Lügen und auf falschen Annahmen basierende Aussagen lassen sich in einen – wenngleich auch hässlichen und miserabel formulierten – Satz unterbringen? Die Zeitung für Schland zählt derer vier:

Erstens schert sich die „arabische Welt“ – ebenso wenig wie die westliche – nicht um die Palästineser, sofern diese nicht ausnahmsweise einmal durch israelisches Feuer sterben. Zweitens hat es das von Herrn Jösting ersehnte Schiff bereits gegeben (nur zur Erinnerung: „Das Narrenschiff“, „Humanitäre Leichtmatrosen“, „Reihern für Palästina“ und „Offene See“). Drittens ist der Gaza-Streifen – von den Terroristen der Hamas einmal abgesehen – nicht besetzt, egal wie viele F.A.Z.-Leser dies behaupten. Und viertens „müsste“ die Hamas überhaupt nicht wissen, dass „Raketen keine Lösung sind“, da ihr Ziel bekanntermaßen in der Vernichtung Israels besteht und Raketen diesbezüglich keineswegs die falsche Lösung sind. Oder für die ganz Dummen: Natürlich ist der Raketenbeschuss Israels für die Hamas keine Lösung – er ist ihr Ziel. Neben den üblichen Hoffnungen auf „friedvolle Solidarität der arabischen Welt gegen die israelische Besatzung“, schreibt Jösting hingegen weiter:

Indes glaube ich, dass Israels Regierung gar keine Lösung des Problems anstrebt, denn dies wäre endlich die Gründung eines souveränen palästinensischen Staates, auf dessen Boden Israel dann kein Recht zu irgendeiner Intervention mehr hätte.

Genau so sieht die Welt aus, von der Herr Jösting träumt: Die Hamas beschießt Israel mit tausenden von Raketen und als Antwort darauf erhalten die Palästinenser einen eigenen Staat. Und da Israel die Spendierhosen gerade einmal an hat, gibt’s noch eine Kugel Eis für Alle obendrauf. Doch genug gescherzt, natürlich verteilt Israel nicht nur keine Geschenke, sondern verweigert sich Jösting zufolge gar boshafterweise einer solch einfachen Lösung. Denn dann hätten die streitlustigen Juden ja auch keinen Sündenbock mehr:

Dann müssten sich die zerstrittenen israelischen Parteien mit sich selbst beschäftigen und hätten kein gemeinsames Feindbild mehr.

Vielleicht sollte jemand Herrn Jösting bei Gelegenheit einmal erklären, dass „zerstrittene Parteien“ konstitutiv für die Demokratie sind. Oder ihn beten, seine eigenen Feindbilder zu überdenken, damit sein Fazit in Zukunft nicht mehr lauten muss:

Ursache und Wirkung sind in diesem Konflikt leider abwechselnd auf der einen (Israel) und auf der anderen Seite (Hamas).

Ein wahrhaft würdiger Auftakt – und es wird noch besser.

… fängt der Mob an zu wüten

In der gleichen Ausgabe der F.A.Z. verkündet Horst Heuer in einem Brief dem wunderbaren Titel „Wie die Terroristen“ (ungekürzt wiedergegeben):

Die Sympathien gehören nicht den Israelis! Wer bewusst so rücksichtslos gegen Zivilisten vorgeht, handelt nicht anders als die Terroristen! Enttäuscht bin ich von unseren Politikern, von Merkel noch mehr als von Steinmeier. Trotz aller Vergangenheit: Verbrechen gegen Zivilisten müssen als Verbrechen angesprochen werden. Die Stimmung der Bevölkerung spricht eine andere Sprache, aber man darf in unserer Demokratie die Wahrheit nicht mehr sagen. Schade, so geht immer mehr Glaubwürdigkeit verloren!

Es ist immer schön, wenn sich jemand selbst ungehemmt auf der Leserbriefseite einer der größten deutschen Tageszeitungen als Antisemit outet. Dass man „in unserer Demokratie die Wahrheit nicht mehr sagen“ dürfe ist natürlich quadrierter Humbug, wurde doch „die Wahrheit“ von Horst Heuer ( „Kindermörder – Israel“, „Zionismus = Terrorismus“ oder „Stoppt den Völkermord in Gaza“) in den letzten Tagen von zahlreichen Demonstranten in Deutschland täglich geäußert, während das Tragen oder Zeigen einer Israelfahne als „Provokation“ gilt und folglich polizeilich unterbunden wird.

Einen Tag später, am 8. Januar schreibt Stefan Schmitt (ebenfalls ungekürzt wiedergegeben:

Israel sagt, dass die ununterbrochenen Luftangriffe eine Antwort seien auf die Raketenangriffe der Hamas. Aber die Kassam-Raketenangriffe sind auch Antworten auf die ökonomische und humanitäre Entwürdigung der im Gazastreifen gefangenen Menschen und generell auf das rassistische Apartheidsmodell, das das israelische Kabinett für die Palästinenser vorsieht. Die palästinensische Kassam-Raketen entspringen nicht dem Bösen, sondern sind ein Teil eines viele Jahrzehnte währenden Konflikts, dessen Kern in der Okkupation besteht.

Ein gutes hat die Leserbriefseite der F.A.Z. in Tagen wie diesen: Antisemiten müssen nicht mehr mühsam entlarvt – oder aus Cain Kübels Liste abgelesen – werden, sondern verkünden ihre Gesinnung eigenständig hunderttausenden von Lesern.

Ekel Alfred darf nicht fehlen

Doch was wäre eine solche Liste ohne Alfred Grosser, der sich in der F.A.Z. vom 9. Januar erwartungsgemäß auch zu Wort meldet. Grosser wählt die klassische und altbewährte Strategie – kurz pflichtgemäß erwähnen, dass die Hamas nicht ganz so dufte ist, und anschließend mit voller Kraft auf Israel einschlagen:

Ja, die Hamas ist furchtbar, aber bevor sie die Waffenruhe gebrochen hat, hat es viele Tote gegeben beim israelischen Angriff auf einen Tunnel, und vor allem hatte sie eine Bedingung genannt, unter der sie das Abschießen von Raketen einstellen würde: Die Blockade von Gaza sollte unterbrochen werden.

Vielleicht sollte die F.A.Z. auf ihrer Bildungsseite mal einen Grundkurs in klassischer Logik oder über einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen anbieten (und nebenbei ein für alle Mal klarstellen, dass der Gaza-Streifen nicht von Israel besetzt ist). Nach einigen obligatorischen Anklagen gegen Israel schreibt Grosser:

Seit Jahrzehnten erklären die jüdischen und christlichen Gelehrten, dass der Ausdruck „Auge um Auge, Zahn für Zahn“ nicht eine Aufforderung zur Rache darstellte, sondern eine Mahnung, mit der Rache nicht zu weit zu gehen. Aber nun soll es als gerechtfertigt gelten, wenn es heißt „Für einen Zahn hundertfünfzig volle Gebisse“. Wie viele Tote und Verstümmelte in Gaza? Es werde nur gezielt geschossen: Wer kann das glauben, wenn er im Fernsehen die Streuung der Bomben gesehen hat, die von den Flugzeugen abgeworfen werden?

Dieser gekonnten Metapher folgt:

Am schlimmsten sind die politischen Konsequenzen. Die amerikanische bedingungslose Unterstützung, die Art und Weise, wie Nicolas Sarkozy alle Schuld der Hamas zuschreibt, die Verachtung, die Israel seit Jahren den Arabern von Gaza entgegenbringt, alles schürt den Hass von Abermillionen von Arabern und nichtarabischen Muslimen, auch in der Türkei, auch in Asien, gegen den „Westen“. Als wolle man den falschen Thesen des kürzlich verstorbenen Samuel Huntingtons recht geben und einen Kampf der Zivilisationen heraufbeschwören, mit allen Konsequenzen, die es auch in Frankreich und in Deutschland bei unseren muslimischen Mitbürgern geben könnte.

Jedes einzelne Wort ist eine Lüge oder verkürzte Halbwahrheit: Die USA unterstützen Israel nicht bedingunglos in Gaza, Sarkozy wirft Israel „Unverhältnismäßigkeit“ vor, Israel bringt Arabern weder in Gaza noch sonstwo Verachtung entgegen und die Hamas trägt natürlich die alleinige Schuld am Krieg in Gaza (von Iran und den der Hamas gegenüber nur allzu nachgiebigen „Friedensfreunden“ einmal abgesehen). Darüber hinaus handelt es sich beim Krieg in Gaza auch nicht um einen Kampf zwischen Zivilisationen respektive einem Krieg zwischen Israelis und Arabern, sondern einem Krieg zwischen der Zivilisation und der Barbarei respektive der westlichen Welt und dem klerikalfaschistischen Mullah-Regime im Iran, weswegen der Krieg in Gaza nicht zuletzt auch im Interesse der Palästinenser und „Abermillionen von Arabern und nichtarabischen Muslimen“ geführt wird.

Was folgen wird …

Einiges spricht dafür, dass in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten weiteres Unheil auf der Leserbriefseite der F.A.Z. folgen wird

  1. Bereits die ersten Reaktionen auf Israels Verteidigung waren teils von anti-israelischen Ressentiments, teils von offenem antisemitischem Hass erfüllt. Des Weiteren wurden einfache Fakten ignoriert oder verdreht, sowie Lügen verbreitet.
  2. Aufgrund der zwangsläufig gestiegenden und weiter steigenden Anzahl ziviler Opfer (für die überwiegend die Hamas die Verantwortung trägt) ist davon auszugehen, dass die in den folgenden Tagen abgedruckten Leserbriefe Israels Vorgehen  – sofern das überhaupt möglich ist – noch negativer darstellen und beurteilen werden.
  3. Diese Tendenz wird durch die zunehmend einseitigere, kritischere und israelfeindlichere Berichterstattung (auch der F.A.Z., siehe Teil eins und zwei dieser Analyse) der letzten Tage verstärkt, da davon auszugehen ist, dass die Berichterstattung der F.A.Z. dem Gekeife der Leser Vorschub leistet und Nahrung liefert. Andererseits scheinen die Leser auch nur allzu begierig nach einer solchen Berichterstattung zu schreien, zumal es ihnen offen stünde, sich umfassender zu informieren (ein paar Tips dazu folgen weiter unten).
  4. Zusätzlich zu offen Israel-feindlichen Leserbriefen werden sich vermutlich auch die allseits „besorgten“ und „kritischen“ Freunde Israels zu Wort melden und Israel „aus freundschaftlicher Perspektive“ hinterfragen. Ein Wiedersehen mit alten Bekannten erscheint daher wahrscheinlich.

Was zu lesen ist

Aufgrund der mangelhaften Berichterstattung deutscher Medien (und der F.A.Z.) über die Operation „Gegossenes Blei“ sowie der Tatsache, dass in den letzten Tagen zunehmend Leser durch Fragen wie „Brach die Hamas den Waffenstillstand“ oder „Wer ist Schuld am Krieg in Gaza?“ auf die Zeitung für Schland gelangt sind, seien abschließend ein paar Leseempfehlungen gegeben (die Reihenfolge sagt dabei nichts über die Qualität aus).

  1. Verpflichtend ist dieser Tage die Lektüre der beiden deutschsprachigen israelischen Blogs Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus und Letters from Rungholt. Vielen Dank an dieser Stelle für die unzähligen hervorragenden Beiträge und alles Gute für die kommende Zeit!
  2. Einen täglichen Überblick über die Operation „Gegossenes Blei“ sowie regelmäßige Leseempfehlungen und Beiträge finden sich darüber hinaus wie gewohnt bei heplev. Ebenfalls stets aktuell und zu empfehlen sind natürlich Medien BackSpin und Honestly Concerned. Gleiches gilt für die entsprechenden Beiträge aus in dem Blogaggregat E Pluribus Unum aufgenommenen Blogs (der Einfachheit halber hier wird auf eine Aufzählung aller, die es verdient hätten verzichtet*) oder die Achse des Guten.
  3. Obligatorische Informationsquellen für englischsprachige Leser sind die israelischen Zeitungen und Informationsangebote der Jerusalem Post, Ynet und Haaretz.
  4. Zudem seien englisch Versierten die israelischen englischsprachigen Live-Blogs The Muqata und Israellycool und ans Herz gelegt sowie Yourish, Yacoov Lozowick, Elder of Zyion, Israel Matzav, Mere Rhetoric und Soccer Dad empfohlen
  5. Weitere hervorragende englischsprachige Quellen sind Pajamas Media , Melanie Phillips Diary, die contentions des Commentary Magazines, die Analysen Caroline Glicks sowie der tägliche Überblick von Daily Alert.
  6. Auch die IDF hat mittlerweile eingen eigenen Blog und einen Youtubechannel.
  7. Zu guter letzt sei noch auf die Rubrik „Don Homer Recommends“ hingewiesen, in der wie gewohnt lesenswerte englischsprachige Artikel verlinkt werden (zu finden oben rechts in der Seitenleiste).

*) Na gut, hier doch die wichtigsten (und vor allem: in Bezug auf die Operation „Gegossenes Blei“ aktivsten) Blogs des Aggregats in alphabetischer Reihenfolge: Castollux, Der Lindwurm, Lizas Welt, No Blood for Sauerkraut!, Sendungsbewusstsein, WADIblog, und Zirkumflex. Wer sich vergessen fühlt, mag sich melden.

Zum Abschluss eine kleine Anekdote

Als sich der Autor dieser Zeilen im Laufe der vergangenen Woche in einem jordanischen Imbiss eine Falafel bestellte, fiehl sein Blick auf eine BILD-Zeitung vom 28. Dezember. Beim Warten auf das Essen kurz durchgeblättert, stach Folgendes ins Auge: Es wurde berichtet, dass palästinensische Opfer in einer israelischen Klinik behandelt wurden. Es wurde gefragt, welche Rolle der „Irre von Teheran“ spiele und warum „so viele Moslems“ Israel „auf den Tod“ hassten.  Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Etwas besseres als in der BILD-Zeitung vom 28. Dezember hat die F.A.Z. seit Beginn der Operation „Gegossenes Blei“ nicht veröffentlicht: ein wahrhaft trauriges Urteil für „eine der besten Tageszeitungen der Welt“ (und wer behauptet, dass Journalisten des Springer-Konzerns per definitionem keine Kritik an Israel äußern dürfe, soll sich Alan Poseners Kommentar anschauen).

Dieser Beitrag ist der dritte und somit letzte Teil einer drei Teile umfassenden Analyse der Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“. Im ersten Teil stand die Berichterstattung der F.A.Z. zu Beginn der Operation im Fokus, im zweiten Teil wird die Verschiebung der Berichterstattung im Verlauf der Gefechte gezeigt. Im vorliegenden dritten Teil werden die Reaktionen und das Meinungsbild der F.A.Z.-Leser erkundet sowie Leseempfehlungen zwecks Bekämpfung der Desinformation gegeben.

Gegossenes Blei und die Berichterstattung deutscher Medien am Beispiel der F.A.Z. – ein vorläufiges Fazit (Teil 2)

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Januar 8, 2009

(zum ersten Teil)

Es sei daran erinnert, dass die unten verlinkten Beiträge den in der Printausgabe der F.A.Z. tatsächlich publizierten Artikeln nicht gänzlich entsprechen, die wesentlichen Elemente jedoch enthalten. Dies liegt darin begründet, dass Artikel häufig nachmittags oder abends auf FAZ.NET eingestellt werden und in überarbeiteter Form in der Printausgabe des darauffolgenden Tages erscheinen. Alle folgenden Zitate beziehen sich auf die Printversionen der Artikel.

Je länger es dauert, …

Es ist nichts Neues, dass die mediale Berichterstattung in Kriegszeiten mit jedem Tag – und mit jedem zusätzlichen unschuldigen Opfer – kritischer und anklagender wird. Dies gilt auch für die F.A.Z. und insbesondere für die Operation „Gegossenes Blei“. Am 5. Januar schreibt dann auch Klaus-Dieter Frankenberger in einem Kommentar auf Seite Eins:

Israel scheint zu glauben, dass eine Bodenoffensive notwendig sei, um das Ziel der Operation „Gegossenes Blei“ zu erreichen: den Raketenbeschuss von Südisrael ein für alle Mal zu unterbinden – und dass die „Vorteile“ eines solchen Vorgehens die offenkundigen Kosten überwiegen. Das ist ein Kalkül, dessen Risiken offen zutage liegen, auf der anderen Seite aber berücksichtigt, dass Luftangriffe gegen Ziele der Hamas deren militärische Anlagen und Fähigkeiten nicht völlig zerstören und ausschalten können – und überdies zu großen Opfern unter der palästinensischen Zivilbevölkerung führen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt sind sie nicht verhältnismäßig.

Der letzte Satz, der übrigens erst in der Printversion eingefügt wurde, offenbart, dass Frankenberger der Mär der Unverhältnismäßigkeit erlegen zu sein scheint. Nichtsdestotrotz hält Frankenberger aber auch fest:

Die Hamas, die das Leiden und die Opfer der Bevölkerung propagandistisch ausschlachtet und Sympathie in einem nicht kleinen Teil der Weltöffentlichkeit genießt, wird die israelischen Truppen in einen blutigen Kampf zu verstricken suchen. Einfach klein beigeben und ihre Niederlage eingestehen wird sie so wenig, wie sie ihre Gesinnung grundlegend ändern wird.

So selbstverständlich einerseits und vage formuliert andererseits diese Worte auch sein mögen: Auf der ersten Seite einer deutschen Tageszeitung stellen sie nach wie vor einen Ausnahmefall dar und verdienen daher lobende Anerkennung. In der selben Ausgabe der F.A.Z. wird auf Seite Zwei zudem ein Infokasten über „Die Ausbildung der Hamas-Kämpfer“ abgedruckt. Dort sind u.a. auch Informationen zu finden, die den Lesern ansonsten gerne gänzlich vorenthalten oder nur in einem Nebensatz gegen Ende einer Randmeldung präsentiert werden:

Während der Luftangriffe zeigte sich, dass die Hamas nicht davor zurückschreckt, Moscheen zu Waffenlagern oder Kommandozentralen umzufunktionieren. Mitglieder soll sie auch als Ärzte und Krankenpfleger verkleidet habe, um sie in Krankenhäusern vor israelischen Angriffen in Sicherheit zu bringen.

Da den Journalisten der F.A.Z. die Gräueltaten der Hamas folglich erwiesenermaßen bekannt sind, stellt sich jedoch die Frage, warum die Niederträchtigkeit der Hamas nicht häufiger und deutlicher artikuliert wird. So schreibt der bereits erwähnte Hans Christian-Rößler etwa in der selben Ausgabe:

Der israelische Militärzensor ließ bis Sonntagabend nur spärliche Informationen über das Kampfgeschehen an die Öffentlichkeit gelangen. Ausländische Journalisten konnten weiter nur aus der Ferne beobachten, was in Gaza vor sich geht. Und selbst die Hamas-Führer, die Israel zwar finster damit drohen ließen, den Gazastreifen in einen „Friedhof für seine Soldaten“ zu verwandeln, wagen sich aus ihren Verstecken kaum noch in die Nähe von Kameras und Mikrofonen.

Warum wird hier, anstatt auf Israels (durchaus zu rechtfertigende) Informationspolitik einzudreschen, nicht einfach einmal erwähnt, dass die Hamas sich hinter der Zivilbevölkerung versteckt und diese so als menschliches Schutzschild missbraucht (PDF)? Stattdessen schreibt Rößler:

Verzweifelt berichteten jedoch Menschen aus Gaza am Telefon, dass sie nach den seit Tagen andauernden Luftangriffen nicht mehr wüssten, wo sie sich in Sicherheit bringen sollten. Schutzräume wie in Israel gibt es nicht und die meisten einfachen Häuser haben keinen Keller.

Ist es wirklich notwendig an dieser Stelle einen Vergleich mit Israel zu ziehen? Ohne diesen Einschub wäre der Satz sowohl verständlich als auch zutreffend. Durch den Verweis auf Israel wird hingegen suggeriert, dass Bombenbeschuss auf Israel doch etwas anderes sei als Bombenangriffe auf Gaza. Ist es angesichts des jahrelangen Raketenterrors etwa verwerflich Schutzräume anzulegen?

Nicht verschwiegen werden soll der lobenswerte Beitrag von Joseph Croitoru auf der ersten Seite des Feuilletons, in dem die Entstehung und Ideologie der Hamas sowie deren Unterstützung durch Iran weitestgehend zutreffend beschrieben wird.

… desto Schlimmer wird es

Ebenfalls in der Ausgabe vom 5. Januar schreibt Rainer Hermann den bis zu diesem Zeitpunkt einseitigsten in der F.A.Z. zu findenen Beitrag. Ironischerweise unter der Überschrift „Zwei Sichtweisen“ veröffentlicht, beschreibt Hermann im ersten Drittel des Artikels zunächst die angeblich israelfreundliche und ergo die palästinensische Seite vernachlässigende Berichterstattung des amerikanischen Nachrichtensenders CNN (keine allzu realistische Einschätzung). Der arabische Sender Al Dschazira würde hingegen das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza thematisieren und kritisiere die westlichen Medien daher, ein „nur unzureichendes Bild von der Lage in Gaza“ zu zeichnen (von Selbstkritik natürlich keine Spur). Offensichtlich der selben Ansicht, wendet Hermann die restlichen zwei Drittel seines Artikels auf, um palästinensische respektive israelkritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Anzahl interviewter Israelis: Null. Gegen Ende gebraucht Hermann dann eine Metapher, die ihres gleichen sucht:

Knapp die Hälfte aller knapp 500 getöteten Palästinenser seien unschuldige Frauen und Kinder, sagte aus Ramallah, dem Sitz der Palästinensischen Autonomiebehörde, Muhammad Shtayyeh, ein Sprecher des Palästinenserpräsidenten Abbas. Jedes Opfer hat Familie und Freunde, die nun kaum zu einem Frieden mit Israel bereit sind. Abbas hatte sich in den vergangenen Tagen aber bedeckt gehalten. Denn Abbas, der nominelle, von der Hamas aber nicht anerkannte Präsident aller Palästinenser, will seinen Kopf nicht zwischen den israelischen Hammer und den Amboss der Hamas halten.

Vermutlich steht der „israelische Hammer“ im Waffenschrank des antisemitischen Hauptquartiers direkt neben der „Antisemitismuskeule“.

In der F.A.Z. vom 6. Januar wird wiederum fleißig der Irrglaube genährt, dass eine Waffenruhe mit der Hamas möglich sei respektive Israel die Schuld trage, dass kein Waffenstillstand zustande käme. So prangt auf der Titelseite:

Israel lehnt Forderungen nach Waffenruhe und Beobachtern ab

Ach, so ist das also! Fast schon drollig ist dagegen, was Wolfgang Günter Lerch ebenfalls auf der Titelseite in einem Leitartikel über die Hamas berichtet:

Die Hamas ist eine fundamentalistische, aus der Muslimbruderschaft stammende Volksbewegung, die soziales Engagement mit radikalen politischen Zielen verbindet und für diese auch terroristische Mittel einsetzt – bis hin zu Selbstmordattentaten.

Das liest sich ja fast so, als sei die Hamas nur ein ab und an über die Stränge schlagender Kegelverein. Dass sie zum weltweiten Mord jüdischer Kinder aufruft, wird folglich nicht erwähnt. Oder, dass die Hamas Kriegsverbrechen nicht „versehentlich“, sondern täglich begeht. Oder „Kollaborateure“ hinrichtet. Lerch hingegen ist auch mit der palästinensischen Autonomiebehörde nicht zufrieden, wisse diese doch nicht mehr, was sie zu tun habe:

Sogar Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, der mit Israel theoretisch noch immer über eine Friedensregelung spricht, brauchte recht lange, um das Vorgehen der Israelis zu kritisieren. Dies erklärt sich auch aus der Rivalität zwischen seiner moderaten al Fatah und der Hamas.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass an Israels Vorgehen doch nicht so viel zu kritisieren ist, wie Lerch und seine Kumpanen der Medienschurkerei der Öffentlichkeit weismachen wollen? Dafür weiß Lerch natürlich, was angesichts des Konfliktes zu tun ist:

In diesen Tagen geht es jedoch zunächst darum, den diplomatischen Bemühungen eine Chance zu geben. Neben den Ägyptern, die immer vermittelt haben, kann auch Syrien dabei eine Rolle spielen, denn es beherbergt mit Khaled Meschal den Exilführer der Hamas. Der hat übrigens über Israel schon viel Unterschiedliches gesagt.

Erstens mag der Konflikt mit der Hamas militärisch nicht zu lösen sein – diplomatisch ist er es zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall. Syrien steht unter der Knute Teherans und kann daher keine konstruktive Rolle bei der Vermittlung eines dauerhaften Friedens spielen, auch wenn Lerch sich Gespräche mit Syrien noch so sehr wünscht.

Und was soll Meschal über Israel denn „schon viel Unterschiedliches“ gesagt haben? Sogar in der F.A.Z. stand, dass Meschal zu einer neuen Intifada aufruft und Selbstmordanschläge fordert. Oder bezieht sich Lerch etwa darauf, dass Meschal skandalöserweise in einer Kolumne im Guardian die Lüge verbreiten darf, dass Israel die „Waffenruhe“ permanent gebrochen habe? Oder, seine Relativierung der Shoah und sein grenzenloser Hass auf Israel?

Geschichtsrevisionismus, Verhältnismäßigkeit und eine neue Waffe

Zusätzlich zu seinem Kommentar schreibt Wolfgang Günter Lerch überdies eine Analyse über das „ungeliebte Land“, den „sozial schwierigen Gazastreifen“, den „kaum jemand“ haben wolle (Artikel nicht online verfügbar, enthalten in der F.A.Z. vom 6. Januar, S. 9) Diese „Analyse“ zeigt exemplarisch, woran die deutsche Nahostberichterstattung notorisch krankt. Über den Sechstagekrieg von 1967 schreibt Lerch etwa:

Im Sechstagekrieg vom Juni 1967 zerstörte Israel in eineinhalb Tagen die arabische Luftwaffen am Boden und eroberte das bis dahin jordanische Westjordanland („West Bank“) sowie die gesamte Sinai-Halbinsel einschließlich Gaza mit Panzer- und Infanterievorstößen.

Auch nur eine Silbe über die Ursachen des Krieges? Natürlich nicht, dies würde ja nicht dem geltenden Narrativ entsprechen, demgemäß Israel stets die Schuld zu tagen habe.

Auf der gleichen Seite schreibt Reinhard Müller unter der Überschrift „Verhältnismäßigkeit“ (die Überschrift weicht erneut von der Onlineversion ab):

Zivile Opfer stellen daher jedes kriegführende Land unter großen Rechtfertigungsdruck, insbesondere Israel. Es muss sich gegen einen Gegner wehren, der – jedes Recht ignorierend – Kinder und Frauen als Schutz missbraucht. Das entbindet freilich die israelischen Politiker und Kommandeure nicht von ihrer völkerrechtlichen Pflicht, die Zivilbevölkerung zu schonen und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die Aufgabe ist kaum zu lösen: Die hochgerüstete Armee wird zum Völkerrechtsbruch verleitet und öffentlich vorgeführt. Diese blutige Strategie ist „militärisch“ die einzige Chance von Terrorgruppen wie der Hamas – und die nutzen sie.

Kein vernünftiger Mensch wird abstreiten, dass zivile Opfer im Krieg zu vermeiden sind und diese Thematik folglich zurecht im Mittelpunkt sowohl der internationalen Berichterstattung als auch der Politik steht. Die spannende Frage ist allerdings, warum, wie Müller durchaus treffend schreibt, „insbesondere Israel“ unter großem Rechtfertigungsdruck steht. Zudem weist Müller zwar weist in deutlichen Worten auf die Kriegsverbrechen der Hamas hin, bezeichnet Israels Vorgehen aber andererseits als „Völkerrechtsbruch“, ohne dieser Behauptung auch nur ansatzweise eine Begründung folgen zu lassen. Doch dazu später mehr.

Den Preis für den dämlichsten Beitrag kann indes erneut Rainer Hermann für sich reklamieren. So nennt er bereits in der Überschrift seines Artikels die Operation „Gegossenes Blei“ eine „Steilvorlage für das Regime [Irans, Mr.Moe]“. Im ersten Satz heißt es dann:

Gaza sei ein Geschenk an Ahmadineschad, schreibt der in Iran geborene israelische Iran-Kenner Meir Javendafar in seinem Blog.

Zunächst lautet der richtige Name Javendanfar und der von Hermann erwähnte Artikel ist nicht auf Javedanfars Blog, sondern bei RealClearWorld, einem amerikanischen Nachrichtenaggregat, erschienen. Zudem erwähnt weder Javedanfar noch Hermann, dass Iran das Geschenk sowohl bezahlt als auch verpackt hat und sich folglich selbst beschert. Darüber hinaus schreibt Hermann nicht ohne Bewunderung, dass Ahmadineschad den Konflikt geschickt zu nutzen wisse:

Ahmadineschads Iran macht auch Boden in der arabischen Welt gut. Teheran hebt sich von dem ohnmächtigen Schweigen der meisten arabischen Staaten ab und präsentiert sich der arabischen Welt als verlässlicher Bannerträger der palästinensischen Sache.

Anstatt darauf hinzuweisen, dass die Hamas der „palästinensischen Sache“ schadet und nicht nutzt, lässt Hermann sich zum Sprachrohr Teherans degradieren. Außerdem legt Hermann so nahe, dass die Operation „Gegossenes Blei“ dem Friedensprozess langfristig mehr schade als die Hamas, gleichwohl deren ernsthaftes Interesse an der palästinensische Sache“ zu bezweifeln ist.

Kein Ende in Sicht oder: Die Mär vom totalen Krieg

Im Verlauf der letzten Tage ist auch Starspieler Jörg Bremer zu alter Form zurückgekehrt und liefert in dem Artikel „Israel weitert Offensive aus“ ein gutes Beispiel, wie man einen Gegner schlecht aussehen lässt, ohne sich die Hände allzu schmutzig zu machen (online nicht verfügbar, enthalten in der F.A.Z. vom 7. Januar, S. 5):

Israelische Panzer rollten nach Angaben von Augenzeugen am frühen Dienstag in Chan Junis ein; auch in Gaza, Beit Lahija und anderen Städten wurde gekämpft. „Unsere Soldaten handeln perfekt und rücken planmäßig vor“, sagte der israelische Generalstabschef Gabi Aschkenasi im Militärradio. Auch Luftwaffe und Marine griffen wieder in die Kämpfe ein. Bei einem israelischen Luftangriff in der Stadt Gaza wurden mindestens zwölf Mitglieder einer Familie getötet. Seit Beginn der Offensive vor elf Tagen wurden nach Auskunft der Rettungskräfte bislang mehr als 600 Palästinenser getötet.

Obwohl sich die Passage leicht und schnell liest, enthält sie gleich drei krasse Einseitigkeiten:

Erstens stellt Bremer dem Zitat des iraelischen Generalstabchefs eine seinen Worten vermeintlich widersprechende Tatsache entgegen (den Tod der Familie). So suggeriert Bremer, dass Aschkenasi entweder keine Ahnung habe, wovon er spricht, oder aber dass Aschkenasi das Töten von Zivilisten gar als „perfekt“ und „planmäßig“ bezeichne.

Zweitens verschweigt Bremer, dass die große Mehrheit der 600 Toten Kämpfer der Hamas waren und der Anteil ziviler Opfer folglich bislang eher gering ausgefallen ist. Aber gerade weil jedes unschuldige Opfer ein Opfer zu viel ist, oblege es Bremers Pflicht herauszustellen, dass die Hamas die Verantwortung für einen Großteil der zivilen Opfer trägt, und dass die – schwer zu bestimmende – Anzahl ziviler Opfer von der Hamas propagandistisch überhöht wird.

Drittens, man liest leicht drüber hinweg, bezeichnet Bremer Israels Vorgehen von Beginn an („vor elf Tagen“) als „Offensive“. So wird die Operation „Gegossenes Blei“ zu einem Angriffskrieg erklärt und die Ursachen des Konflikts somit vollends verdreht.

Die Vorschußlorbeeren aus Teil Eins waren also verfrüht: Eine klare Sechs für Bremer und Nachsitzen obendrein!

Die sich selbst gegebene Vorlage bezüglich angeblicher israelischer Verstöße gegen das Völkerrecht vollendet Reinhard Müller in der F.A.Z. vom 7. Januar unter der bereits (bewusst?) assoziativen Überschrift „Totaler Krieg verboten“ gekonnt (Artikel nicht online verfügbar, enthalten in der F.A.Z. vom 7. Januar, S. 8):

Offenbar wurde bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen auch eine Schule der Vereinten Nationen getroffen. In dem Gebäude hielten sich wohl mehrere hundert Kriegsflüchtlinge. Die UN hätten den israelischen Streitkräften die Koordinaten ihrer Gebäude im Gazastreifen übermittelt, um zu verhindern, dass sie angegriffen würden, hieß es.

Weder das „offenbar“ noch das „wohl“, geschweige denn das „hätten“ oder „hieß es“ hindern Müller daran, von diesem wackligen Fundament aus Israels Vorgehen zu kritisieren. Wen stört schon die Tatsache, dass von der Schule aus geschossen wurde, sich Terroristen in ihr verbargen und die Anzahl der Opfer höchst unklar ist (hat tip: Lizas Welt)? Man kann ja auch einfach lügen und schätzen! Müller stellt daher die Frage:

Ist ein solcher Angriff zulässig? Kann er verhältnismäßig sein?

Im Hinblick auf Müllers Vorgehen – Israel von einer nicht verifizierten und anders andere als eindeutigen „Tatsache“ ausgehend an die Einhaltung des Völkerrechtes zu erinnern -besteht die interessantere Frage vielmehr darin, ob ein solcher Journalismus zulässig und verhältnismäßig ist. Müller treibt hingegen seine „totaler Krieg“-Rhetorik voran und schreibt:

Die Anwendung von Gewalt ist grundsätzlich nur zulässig, soweit sie sich gegen Soldaten und militärische Ziele richtet. Die Zivilbevölkerung ist zu schonen. Zivile Opfer müssen durch die Art der militärischen Operation so gering wie möglich gehalten werden; dazu gehören etwa Warnungen, soweit das möglich ist.

Gewiss ist jedem einzelnen dieser Worte zuzustimmen. Was sich aber wie eine Beschreibung des Vorgehens der israelischen Armee liest, dient Müller – gleichwohl er Israel „unzweifelhaft“ das Recht zur Selbstverteidigung zugesteht – viele eher als Argument gegen Israel:

Beide Parteien müssen zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser, Moscheen und Schulen schützen und dürften sie auch nicht für militärische Operationen nutzen.

Im Rahmen dieser Analyse kann nicht weiter auf Müller eingegangen werden. Und auch nicht darauf, dass sowohl aus dem Krankenhaus als auch der Moschee und der Schule auf israelische Streitkräfte geschossen wurde. Aber allein der Umstand, dass nach elftägigen Kampfhandlungen und einer im Vergleich zu anderen Kriegen niedrigem Anteil an zivilen Opfern in einer deutschen Tageszeitung darüber spekuliert wird, ob Israel einen „totalen Krieg“ führe, stimmt nachdenklich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch , was die F.A.Z. in einer Meldung über einen Anschlag auf eine Synagoge in Toulouse schreibt:

Nach einem Brandanschlag auf eine Synagoge in Toulouse am Montagabend rätseln die Ermittler, ob es einen Zusammenhang mit der israelischen Offensive im Gazastreifen gibt.

Vor dem Hintergrund weiterer Anschläge auf Juden und Israelis in Europa ist die Frage, ob es einen Zusammenhang zur „israelischen Offensive“ gibt äußerst zynisch. Aber wie sollte es auch anders sein: Hinsichtlich Israel ist man für gewöhnlich schnell und anklagend mit einem Urteil zu Stelle, bei Angriffen gegen Israel oder jüdische Einrichtungen zeigt man sich hingegen abwägend und vorsichtig hinterfragend.

Resümee und Ausblick

Was kann unter dem Strich über die Berichterstattung der F.A.Z. der letzten elf Tage bilanziert werden? Auffällig sind folgende Tendenzen, die als Thesen formuliert seien:

  1. Im Verhältnis zu vergleichbaren deutsch- und englischsprachigen Zeitungen und Nachrichtenmagazinen wie etwa SPIEGEL ONLINE, SZ, BBC, Guardian und in etwas abgeschwächter Form DIE ZEIT, Times und Washington Post erscheint die Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“ – um es mit einem in letzter Zeit (zu) selten verwendeten Begriff zu bezeichnen – verhältnismäßig ausgeglichen.
  2. Dieser vermeintlich positiven Entwicklung stehen jedoch vermehrte Ausfälle sowie ein nach wie vor häufig einseitiges Gewichten von Informationen und ein Ignorieren einfachster Fakten gegenüber.
  3. Erwartungsgemäß ist die Berichterstattung zudem von Tag zu Tag kritischer respektive anklagender gegenüber israelischen Militäroperationen geworden. Der Großteil der Kritik gründet sich dabei nicht auf Tatsachen, sondern vielmehr auf Vermutungen, Werturteilen oder Unwahrheiten. In dem kommenden Tagen ist daher neben den obligatorischen Aufrufen zu Verhandlungen und Rückkehr zur „Waffenruhe“ von einer zunehmenden Verschärfung der Kritik an Israel auszugehen.
  4. Darüber hinaus macht auch die vereinzelt positiv zu bewertende Berichterstattung die einseitige Nahostberichterstattung der vergangenen Monate und Jahre nicht ungeschehen. Darauf ist insbesondere deswegen zu insistieren, weil für die Bewertung der Operation „Gegossenes Blei“ eben nicht nur die Geschehnisse der letzten elf Tage relevant sind, sondern auch und vor allem die umfassende Vorgeschichte. Ein Mensch, der seine Information überwiegend oder gar vollständig aus der F.A.Z. erhält, ist über die jüngsten Geschehnisse in Nahost daher nicht in ausreichendem Maße informiert. Insbesondere dann nicht, wenn die alternativen Informationsquellen Tagesschau, Süddeutsche Zeitung oder SPIEGEL heißen.

Das oben in thesenartiger Form gezogene und anhand der Beispiele hoffentlich nachzuvollziehende Fazit entspricht der Wahrnehmung des Autors dieser Zeilen und schließt einen Irrtum folglich nicht aus. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die isolierte Beurteilung der Berichterstattung eines einzelnen Mediums aufgrund des verstärkten Informationszuflusses der letzten Tage eine überaus schwierige Aufgabe darstellt. Darüber hinaus sei auch noch einmal betont, dass die verlinkten und rezipierten Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Daher kann eeinerseits nicht ausgeschlossen werden, dass positive Beispiele überlesen wurden. Da Negatives meistens eher ins Auge fällt als Positives, ist dies nicht einmal unwahrscheinlich. Andererseits ist ebenso möglich, dass zu kritisierende Artikel im Zuge größerer Schweinereien überlesen wurden, was wiederum insbesondere für die letzten beiden Tagen wahrscheinlich ist.

Im dritten Teil der Analyse werden abschließend erste Leserbriefe in der F.A.Z. sowie das Meinungsbild der F.A.Z.-Leser hinsichtlich der Operation „Gegossenes Blei“ betrachtet.

Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer drei Teile umfassenden Analyse der Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“. Im ersten Teil stand die Berichterstattung der F.A.Z. zu Beginn der Operation im Fokus, im vorliegenden zweiten Teil wird die Verschiebung der Berichterstattung im Verlauf der Gefechte gezeigt. Im dritten Teil werden die Reaktionen und das Meinungsbild der F.A.Z.-Leser erkundet sowie Leseempfehlungen zwecks Bekämpfung der Desinformation gegeben.

Gegossenes Blei und die Berichterstattung deutscher Medien am Beispiel der F.A.Z. – Alte Bekannte und neue Freunde (Teil 1)

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Januar 6, 2009

Mehr als eine Woche nach Beginn der Operation „Gegossenes Blei“ (Cast Lead) ist zu konstatieren, dass an dieser Stelle zwar über die zu erwartenden medialen Ausfälle in der Süddeutschen Zeitung und auf SPIEGEL ONLINE berichtet wurde, die F.A.Z. hingegen keine Erwähnung fand. Da die F.A.Z. das von der Zeitung für Schland von allen deutschsprachigen Publikationen am stärksten wahrgenommene Medium ist, vermag dies zu überraschen. Hinzu kommt, dass auch auf anderen Blogs zwar viel über die oben genannten Zeitungen geschrieben wurde, dass Verhältnis der F.A.Z. zu den jüngsten Entwicklungen in Gaza jedoch nicht – oder nur in wenigen, dem Autor dieser Zeilen eventuell entfallenden Ausnahmefällen – thematisiert wurde. Höchste Zeit also, diesen Umstand zu ergründen, wobei auf der Hand liegt, dass die folgenden Ausführungen nicht als umfassende Analyse zu verstehen sind, sondern vielmehr dem subjektiven Empfinden des Autors entsprechen.

Zunächst sei auf die simple Tatsache hingewiesen, dass ein Großteil der Berichterstattung in Kriegszeiten online abläuft und in der Printausgabe einer Tageszeitung folglich nur noch selten neue Informationen zu finden sind (von der generellen Schwierigkeit, aktuelle und zugleich zweifelsfreie Informationen aus Kriegsgebieten zu erhalten, einmal ganz abgesehen). Dieser prinzipielle Nachteil gedruckter Zeitungen wird in Bezug auf „Gegossenes Blei“ dadurch noch verstärkt, dass drei der bisherigen zehn Tage Sonn- oder Feiertage waren, an denen zwar online berichtet wurde, Tageszeitungen jedoch nicht erschienen. Aus diesen beiden Punkten ergibt sich, dass die allmorgige Ausgabe der F.A.Z. zur Zeit ihres Erscheinens häufig bereits veraltet ist, was wiederum nicht zuletzt dazu führt, dass Nachrichten und Berichte der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“ mit weniger Aufmerksamkeit als gewöhnlich verfolgt werden. Die Bedeutsamkeit der F.A.Z. hinsichtlich der öffentlichen Meinungsbildung speist sich indes naturgemäß nicht nur aus vermeintlich objektiven Nachrichten, sondern vor allem auch aus bewusst subjektiv wertenden Leitartikeln, Kommentaren und Analysen. Vor allem letztere stehen daher im Fokus der folgenden Ausführungen.

Wie im Folgenden chronologisch zu zeigen versucht wird, lässt sich bezüglich der meinungsbetonten Darstellungsformen und demzufolge auch der Position der F.A.Z. zu Beginn der Operation „Gegossenes Blei“ trotz einiger Ausreißer ein überraschend ausgewogenes Bild zeichnen (oder anders formuliert: es ist nicht ganz so schlimm, wie zu befürchten war). Zu Bemerken ist an dieser Stelle, dass die unten verlinkten Beiträge den in der Printausgabe der F.A.Z. tatsächlich publizierten Artikeln nicht gänzlich entsprechen, die wesentlichen Elemente jedoch enthalten. Dies liegt darin begründet, dass Artikel häufig nachmittags oder abends auf FAZ.NET eingestellt werden und in überarbeiteter Form in der Printausgabe des darauffolgenden Tages erscheinen. Alle folgenden Zitate beziehen sich auf die Printversionen der Artikel.

Womit gerechnet werden musste

Den Erwartungen entspricht zunächst Wolfgang Günter Lerchs Position, die in einem Leitartikel vom 29. Dezember geäußert wird:

Die jüngsten schweren Angriffe der Israelis auf den Gazastreifen, die auch zahlreiche zivile Opfer forderten, werden die radikalislamische Hamas nicht zum Einlenken bewegen, sondern neue Märtyrer schaffen. Dieser Mechanismus, zumindest, funktioniert seit vielen Jahren mit der Sicherheit eines Uhrwerks.

Und weiter:

Verteidigungsminister Ehud Barak rechtfertigte die Bombardierungen mit der Fortdauer des Raketenbeschusses durch die Hamas – und weiß doch genau, dass die von seiner Armee jetzt geübte „Vergeltung“ keines der Probleme lösen wird. Die Hamas ihrerseits begründet ihren Dauerbeschuss israelischer Ortschaften mit der ökonomischen „Strangulierung“ des Gazastreifens. Beide Seiten wissen, dass die von ihnen eingesetzten Mittel keines der Übel beseitigen, die zu bekämpfen vorgeben.

Diese Worte offenbaren zum einen zum wiederholten Male, dass Lerch ein Verfechter der „Gewaltspirale“ ist. Zum anderen zeigen sie aber auch, wie bei der F.A.Z. gearbeitet wird. In dem oben verlinkten Beitrag vom 28. Dezember auf FAZ.NET fehlt der letzte Satz des Zitats, welcher folglich für den Leitartikel in Printausgabe der F.A.Z. vom 29. Dezember ergänzt wurde. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass der Satz nichts anderes aussagt, als dass Lerchs Ansicht nach sowohl Israel als auch die Hamas bewusst mit falschen, weil nicht zum Erfolg führenden, Mitteln kämpfen. Daraus folgt wiederum, dass Israels Vorgehen gegen die Hamas Lerch zufolge nicht einfach nur „falsch“, sondern darüber hinaus auch moralisch verwerflich ist, da Israel trotz besseren Wissens militärisch vorgehe. Dennoch muss erwähnt werden, dass Lerch durchaus auch Verständnis für Israels Vorgehen äußert, wenngleich er auch von der (falschen) Prämisse ausgeht, dass Israels Vorgehen unverhältnismäßig sei:

So berechtigt die Kritik an überzogenen Militäraktionen Jerusalems sein mag, so heuchlerisch ist sie bisweilen. Man übersieht, dass es – von Iran unterstützt – auch Kräfte im Nahen Osten gibt, die Israel noch immer aus religiös-ideologischen Gründen weghaben möchten. [In der Onlineversion ist „weghaben“ in Anführungszeichen gesetzt, Mr.Moe]

Abgesehen davon, dass „weghaben“ ein hübscher Euphemismus für „vernichten“ ist: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade Lerch auf die Heuchlerei der Israelkritiker und deren Blindheit und Ignoranz gegenüber der genozidalen Gesinnung Irans, der Hamas , Hisbollah und Konsorten hinweist, hat er selbst doch in der Vergangenheit Verständnis für Terroristen bekundet, Israels Handeln mit dem Handeln von Terroristen gleichgesetzt oder Irans Bestreben nach Nuklearwaffen heruntergespielt). Zudem fordert Lerch gegen Ende seines Kommentars:

So sollte man jetzt von Seiten des Nahost-Quartetts und anderer potentieller Vermittler, etwa Ägyptens oder der Arabischen Liga, alles dafür tun, um eine neuerliche Waffenruhe zu erreichen und Politik wieder möglich zu machen.

In diesen Worten offenbart sich ein Umstand, der dieser Tage nicht oft genug betont werden kann: Der  Berichterstattung deutscher Medien ist – von „Knallchargen“ jeglicher Coleuer einmal abgesehen – nicht vorzuwerfen, dass offenkundig Partei gegen Israel ergriffen wird. Der Vorwurf, der deutschen Medien hingegen gemacht werden kann und muss, lautet vielmehr, dass einfachste Tatsachen ignoriert, verschwiegen oder gerne auch mal gänzlich verdreht werden und der Leser so – bewusst oder unbewusst – in die Irre geführt wird. Alleine das Wort „Waffenruhe“ im Zusammenhang mit der Hamas weder in Anführungszeichen zu setzten noch darauf hinzuweisen, dass die Waffen der Hamas zeitlebens der „Waffenruhe“ eben nicht ruhten, stellt eine ebensolche Irreführung dar (von der Realisierbarkeit einer echten Waffenruhe mit der Hamas, zumal zum Zeitpunkt des 28. Dezembers, einmal ganz abgesehen).

Was zu überraschen vermochte oder: Bremer auf Abwegen

Was hat unterdessen eigentlich Jörg Bremer getrieben, seines Zeichens immerhin Nahostkorrepsondent der F.A..Z. und als solcher prädestiniert dazu, einen Kommentar zu den jüngsten Ereignissen abzugeben? Ein Bericht von Bremer vom 29. Dezember trägt folgende reißerische Überschrift (es sei noch einmal daran erinnert, dass die Printversion von der Onlineversion abweicht):

Der Angriff begann mit dem Ende des Gottesdienstes

Gleichwohl einer solchen Überschrift eigentlich keine auch nur ansatzweise ausgewogene Berichterstattung folgen kann, vermag Bremer dieses Mal durchaus zu überraschen:

In einer ersten Welle beschoss die Luftwaffe gegen 11.30 Uhr mit Ende der Gottesdienstes in den Synagogen wohl 50 Ziele und nicht zuletzt eine Feier für frisch graduierte „Kadetten” der Hamas-Terror-Armee auf dem Innenhof der zentralen Polizeistation in Gaza.

In einem seiner seltenen lichten Momente und in wohltuendem Gegensatz zu Thorsten Schmitz von der SZ beschreibt Bremer die „Polizisten“ demnach als das, was sie sind: Mitglieder einer terroristischen Vereinigung. Auch die weiteren Ausführungen Bremers lesen sich verhältnismäßig unvoreingenommen:

In einer zweiten Welle griff die Luftwaffe Waffenlager an und Stellungen der Raketenwerfer, von denen aus die Islamisten seit Jahren immer wieder Kassem-Raketen auf Israel abschießen. Gleichzeitig warnte die israelische Armee die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen, sich möglichst weit von Hamas-Einrichtungen entfernt zu halten: „Jeder, der sich auf Hamas-Gelände aufhält, ist – soweit es uns betrifft – ein Ziel”. Schon in den ersten Angriffsstunden wurden mindestens 230 Menschen getötet. Am Sonntag teilte der Generalstabschef dem Kabinett mit, die meisten Toten seien „uniformierte, bewaffnete” Hamas-Männer gewesen. Der Chef der medizinischen Notdiensteinrichtungen in Gaza, Hasnain, stellte hingegen fest, dass nur 40 Prozent der Getöteten Hamas-Aktivisten gewesen seien.

Darüber hinaus verschweigt Bremer auch nicht, dass „die Islamisten“ (erneut eine korrekte Bezeichnung!) weiter auf Israel geschossen haben und erwähnt auch den Tod eines Israeli durch eine Kassem-Rakete, die Situation der israelischen Bevölkerung sowie den Tod zweier palästinensischer Jugendlicher durch von den Terroristen abgefeuerte Raketen. Zwar ist bei Bremer auch von einer „anhaltenden israelischen Blockade“ die Rede (was den Tatsachen nicht entspricht) aber immerhin deutet Bremer zur Abwechslung zumindest einmal an, wer für die Situation in Gaza die Verantwortung trägt:

Die anhaltende Blockade, mit der es Israel allemal seit Anfang November den Hilfsgruppen schwer macht, die darbende Bevölkerung zu versorgen, wird der Regierung in Jerusalem angelastet und nicht der Hamas, selbst wenn die Terroristen immer auch die Terminals der Warenübergabe im Visier ihrer Raketenwerfer haben. Schon vor Jahren sagte der später von Israel ermordete Hamas-Sprecher Rantisi: „Je schlechter die Lage für die Bevölkerung, umso besser für uns.”

Mag dies auch nicht dafür ausreichen zum Musterschüler aufzusteigen, könnte das Zeugnis für einen, der sonst stets von der letzten Reihe aus krakelt, schlechter ausfallen.

Licht und Schatten

Am 30. Dezember, schreibt Klaus-Dieter Frankenberger, verantwortlich für den Bereich Außenpolitik in der F.A.Z., in einem Kommentar auf Seite Eins über „Israels Dilemma“:

Das Dilemma, dem die israelische Regierung gegenübersteht, ist offensichtlich: Sie kann zum einen nicht zulassen, dass ihre Bürger im Süden des Landes ständig der Gefahr des Raketenbeschusses ausgesetzt sind – Raketen, die im Gazastreifen abgefeuert werden und auch während der Waffenruhe mit der radikalislamischen Hamas dort abgefeuert wurden. Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung. Zum anderen ist das militärische Vorgehen Israels gegen Stellungen und Einrichtungen der Hamas mit großen Opfern unter der palästinensischen Zivilbevölkerung und auch darum mit großen politischen und diplomatischen Kosten verbunden.

Durchaus differenzierte Worte. Der Grundtenor Frankenbergers folgenden Ausführungen ist, dass die palästinensische Bevölkerung zwar leide, „ihre Führung in Gaza“ aber auf den „Kampf gegen Israel“ fixiert sei und daher den Großteil der Verantwortung dafür trage. Und obwohl auch Frankenberger einen Waffenstillstand kurz vor Jahresende für „am Besten“ erachtet, ist er sich der Gefahren bewusst:

Das Beste, was man so erhoffen kann, ist die Rückkehr zu einer Waffenruhe. Die müsste zwingend das Ende jedweden Raketenbeschusses gegen israelisches Territorium einschließen – woran radikalen Palästinensern nicht gelegen ist. Israel müsste im Gegenzug die Blockade des Gazastreifens lockern, wenn nicht aufheben und das Seine tun, um einer weiteren Radikalisierung entgegenzuwirken. Aber sogleich stellt sich die Frage, wie dann die Aufrüstung der Hamas zu stoppen ist, die selbst während der Blockade nicht zu stoppen war.

Es ist wahr: Das Leiden der palästinensischen Bevölkerung, an dem Israel mit Schuld hat, ist groß, aber ihre Führung in Gaza bleibt auf den Kampf gegen Israel fixiert.

Allerdings neigt Frankenberger dazu, dass journalistischen Anstand entsprechende einerseits-andererseits-Gerede zu übertreiben. Infolgedessen ignoriert er, dass Israels „Blockade“ des Gazastreifens einerseits bereits seit längerem gelockert ist, und dass Israel trotz anhaltenden Beschusses humanitäre Güter nach Gaza liefert.

In der F.A.Z. vom 31. Dezember veröffentlicht die F.AZ. zudem, wie viele andere renomierte internationale Tageszeitungen, einen Beitrag von David Grossman, in der dieser von der „Vergeltungsspirale“ schwadroniert und eine „Einstellung des Feuers“ fordert (eine Kritik an Grossman findet sich bei Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus). Der Position von Grossman wird fairerweise jedoch auch eine Gegenposition von Fania Oz-Salzberger gegenübergestellt, in der Israels Vorgehen verteidigt und begründet wird.

Was sich hingegen Hans-Christian Rößler in einem Bericht unter dem Titel „Raketenwarnung per SMS“ am 3. Januar erlaubt, spottet jeder Beschreibung. Lautete die Überschrift auf FAZ.NET noch korrekterweise  „Raketendrohungen per SMS“, hat Rößler die Überschrift für die Printausgabe offensichtlich überdacht und suggeriert so fälschlicherweise, dass die Terroristen der Hamas die israelische Zivilbevölkerung vor Raketen warnen wolle. Zudem kritisiert Rößler die israelische Armee dafür, dass sie es wagt Informationspolitik zu betreiben:

Krieg macht kreativ. Selbst bei den Bildern, die aus Gaza kommen, überlässt das israelische Militär nichts dem Zufall. Im Internetportal „You Tube“, auf dem jeder der ganzen Welt seine privaten Filme zugänglich machen kann, sind seit Montag auch mehrere Videos aus Gaza zu sehen: Da tragen zum Beispiel angebliche Hamas-Kämpfer Raketen zu einem Lastwagen, bevor ein israelisches Kampfflugzeug auf sie zielt. Die neuen Medien gehörten mittlerweile zum erweiterten Kriegsgebiet im Kampf um die Weltmeinung, erläuterte dazu ein Militärsprecher in Tel Aviv.

Dass Informationen seitens der Israel Defense Forces (IDF) nicht vollends objektiv sind, liegt auf der Hand. Andererseits gibt es keinen Grund, die Aussagen der IDF a priori als falsch anzusehen, zumal dann nicht, wenn sie über Offensichtliches berichten. Wer, wenn nicht „wirkliche“ Hamas-Kämpfer, trägt Raketen zu einem Lastwagen? Zivilisten? Eine als Hamas verkleidete Einheit der IDF? Und vor allem: Warum ist Rößlers Stimme nicht zu hören, wenn Pallywood dreht? Hinzu kommt, dass Hamas-Stellungnahmen und palästinensische Augenzeugenberichte auch in der F.A.Z. nur allzu häufig unreflektiert übernommen werden und sich deutsche Medien so nebst einseitgen Berichtens in schöner Regelmäßigkeit zum Propaganda-Sprachrohr der Terroristen machen.

Ebenfalls am 3. Januar schreibt F.A.Z.-Mitherausgeber Günther Nonnenmacher in einem Kommentar auf Seite Eins:

Zwar zögert Israel, seine Soldaten in Gaza einmarschieren zu lassen, weil das zu einem langen, verlustreichen Guerrilla-Kampf führen würde. Aber die israelische Regierung muss doch Mittel finden, um die permanente Beschießung ihrer Städte durch Raketen wenigstens für eine gewisse Zeit zu unterbinden. Das ist selbst mit den massiven Luftangriffen der vergangenen Tage nicht gelungen – insofern verrät das Zögern auch eine gewisse Ratlosigkeit.

Die Hamas andererseits hat sich auf einen Häuserkrieg in ihrem Herrschaftsgebiet vermutlich vorbereitet. Die militanten Islamisten werden jeden Nadelstich und jede kleine Niederlage, die sie ihrem Gegner zufügen können, zu einem großen Sieg umdeuten. So war das schon im Libanon-Krieg, den die israelische Armee gegen die Hizbullah führte.

Trotz diesen differenzierten Kommentars hat der Ton der Bericherstattung mit zunehmender Dauer der Operation „Gegossenes Blei“ an Schärfe gewonnen und Israel wird zunehmend schärfer (und in der Regel den Tatsachen widersprechend) kritisiert. Dies wird im zweiten Teil der Analyse gezeigt, in dem zudem auch ein vorläufiges Fazit hinsichtlich der Berichterstattung gezogen wird.

(zum zweiten Teil)

Dies ist der erste Beitrag ist einer drei Teile umfassenden Analyse der Berichterstattung der F.A.Z. über die Operation „Gegossenes Blei“. Im vorliegenden ersten Teil steht die Berichterstattung der F.A.Z. zu Beginn der Operation im Fokus, im folgenden zweiten Teil wird die Verschiebung der Berichterstattung im Verlauf der Gefechte gezeigt und ein vorläufiges Fazit gezogen. Im dritten Teil werden die Reaktionen und das Meinungsbild der F.A.Z.-Leser erkundet sowie Leseempfehlungen zwecks Bekämpfung der Desinformation gegeben.

Gekonnte Überschriften und Beobachtungen vom Planeten Wirrkopf

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Dezember 22, 2008

Wenn sogar das Gesindel von SPIEGEL-ONLINE knackige Überschriften („Israel droht Hamas mit Krieg“) formulieren kann, muss die F.A.Z., dem Selbstverständnis nach immerhin „eine der besten Zeitungen der Welt“, ihrem Leser natürlich vergleichbares bieten:

Olmert droht Palästinensern

Den stets aufrichtig um das Wohl der Palästinenser besorgten deutschen Leser vermag allein die Unterüberschrift zu beruhigen:

Aber noch keine Militäraktion

Puh, da hat die Welt also doch noch einmal Glück gehabt: so weit alles friedlich in Nahost. Oder doch nicht? Wolfgang Günter Lerch, seines Zeichen neben Jörg Bremer Israels bester „Freund“ im Hause der F.A.Z. (denn wie jeder weiß hat Israel nahezu keine Feinde sondern lediglich einen Haufen aufrichtiger und kritischer“Freunde“), bringt es unnachahmlich auf den Punkt:

Brüchig war die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel schon in den vergangenen Wochen.

Ein wunderbarer Euphemismus, der noch dazu nach allen Regeln journalistischer Kunst jede Aussage über Roß und Reiter oder Ursache und Wirkung vermeidet. Und doch bemerkt Lerch zu, dass es nach dem offiziellen Ende der „Waffenruhe“ eine Zunahme der Gewalt gegeben habe:

Nun werden wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, und die israelische Luftwaffe fliegt wieder ihre Vergeltungsangriffe.

Dass wieder alle um sich schießen und keiner besser als der andre sei, bildet seit je her den Kern deutscher Nahostberichterstattung. Hingegen die gesamte Widerwärtigkeit der deutschen Medien in einem einzigen Wort – „nun“ – zu offenbaren: diese Leistung ist „einer der besten Zeitungen der Welt“ doch überaus würdig.

Quelle: „Olmert droht Palästinensern, in: F.A.Z. vom 22. Dezember 2008, S. 8 sowie Wolfgang Günter Lerch: „Ohne Frieden“, in: ebd., S. 12.

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Armes kleines Deutschland

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Dezember 12, 2008

Klaus-Dieter Frankenberger, verantwortlich für die Abteilung Außenpolitik in der F.A.Z., beklagt, dass Deutschland weltpolitisch „fast schon am Pranger“ stünde. Dieses äußere sich u.a. darin, dass sich die Regierung der Vereinigten Staaten der deutschen Regierungschefin nicht mehr bedingungslos – wie es sich gefälligst gehört! – unterwerfe. So wie in den guten, alten Zeiten:

Als Angela Merkel im Januar 2006 erstmals als Kanzlerin in Washington auftrat, rollten ihr die Amerikaner rote Teppiche aus – so groß war die Erleichterung über den Regierungswechsel in Berlin, und groß war die Hoffnung, dass Merkels Deutschland fortan wieder fest an der Seite der Vereinigten Staaten stehen werde – an allen Fronten.

Da die Deutschen es an vielen Fronten nun einmal besser wissen als die Amerikaner – denn das ist ihr Metier – seien letztere nun beleidigt:

Knapp drei Jahre später läge der Kanzlerin in Washington niemand mehr zu Füßen, wenn sie käme. Es gibt hämisch-bittere öffentliche und inoffizielle Kommentare; Deutschland, so scheint es, hat das übliche Lieblingsfeindbild der Amerikaner abgelöst: Nicht mehr Frankreich ist der grobe Spielverderber, sondern Deutschland, auf das einzuprügeln Mode der Saison geworden ist.

Oh, wie ungerecht die Welt doch ist: Gerade das knuffige und liebenswerte Deutschland, dessen Bewohner den Vereinigten Staaten stets wohlgesonnen gegenüberstehen, bekommt von der Liebe und Anerkennung, die es über den Atlantik sendet, nichts zurück. Neben (natürlich: unberechtigter und böswilliger) Kritik an der deutschen Politik zur Bekämpfung der Finanzkrise ginge es dabei auch um die deutsche Politik gegenüber Iran:

In Amerika kommen noch andere Themen hinzu, welche die Begeisterung für die Frau im Kanzleramt und die große Koalition haben abklingen lassen: Da ist nach wie vor die Kritik an der deutschen Iran-Politik, an der angeblichen Weigerung Berlins, sich schärferen Sanktionen anzuschließen.

Und das, wo doch jeder weiß, dass Frank-Walter Steinmeier & Co. gegenüber widerwärtigen Regimen weltweit unnachgiebig sind, und dass der deutsche Handel mit Iran stetig abnimmt! Die bösen, fiesen Amerikaner verstünden Frankenberger zufolge Deutschland hingegen nicht nur falsch, nein: sie verdrehten auch noch die Wahrheit:

Manches, was beanstandet wird, ist schlicht falsch, etwa die Behauptung, Deutschland übe nicht genug Druck auf Iran aus: Berlin hat auf informellem Wege deutsche Unternehmen angehalten, ihr Engagement in Iran abzubauen – mit spürbaren Ergebnissen.

Das ist wahrlich Journalismus auf ganz, ganz hohem Niveau: knallharte und nachprüfbare Fakten! Wen stört es da, dass diese an der Konfrontation mit der Realität kläglich scheitern? Und wie zynisch liest sich vor diesem Hintergrund Frankenbergers Fazit:

Deutsche Positionen könnten offensiver vertreten werden – ohne wankelmütig zu wirken.

Hier hat Frankenberger absolut recht: wieso eigentlich öffentlich Solidarität mit Israel bekunden, wenn einem der Handel mit Iran doch ungleich wichtiger als die Existenz des jüdischen Staates ist?

Quelle: Klaus-Dieter Frankenberger: „Fast schon am Pranger. In Amerika und bei den europäischen Partnern wächst die Kritik an Deutschland“, in: F.A.Z. vom 11. Dezember 2008, S. 12.

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Mumbai und Gaza

Posted in F.A.Z. by Mr. Moe on Dezember 3, 2008

Dass F.A.Z.-Autor Wolfgang Günter Lerch ein sogenannter „Israel-Kritiker“ sowie ein Apologet des Mullah-Regimes ist, dürfte regelmäßigen Lesern der Zeitung für Schland bekannt sein. Folglich vermag es auch nicht zu überraschen, wenn Lerch in einem Artikel über den „arabisch-deutschen Kulturdialog“ in Dubai schreibt:

Während die Gelehrten tagten und sich manchem die Frage stellte, wie denn die intellektuelle Übereinstimmung an „das Volk“ weitergegeben könne, blieben die Palästinenser in Gaza eingeschlossen und unternahmen Terroristen in Bombay ihren mörderischen Anschlag. Dies bildete den politisch-garstigen Kontrastpunkt zur Intellektualität der Beiträge.

Wir notieren: was Israel mit den Palästinensern macht ist also moralisch vergleichbar mit den Anschlägen in Mumbai. Ob dies auch für das Foltern der jüdischen Opfer gilt? Oder sind die antisemitischen Anschläge, deren Wahn sich am Deutlichsten in den Folterungen manifestiert, für Lerch gar eine Lappalie im Vergleich zu Israels Vorgehen, da die Opfer ja Israelis gewesen seien und das Foltern ergo lediglich eine Reaktion auf Israels Taten darstellte?

Quelle: Wolfgang Günter Lerch: Unter Buchmenschen, in: F.A.Z. vom 3.12.2008, S. 10.

Mit Dank an Abraham Jebediah Simpson für wertvolle Anregungen.

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